Ein Gespräch mit der Freiburger SPD-Gemeinderätin Türkan Karakurt, Sprecherin für Migration und Kultur
Frau Karakurt, Sie waren mit einer Freiburger Delegation zehn Tage lang in den USA, um herauszufinden, wie Flüchtlinge dort in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt integriert werden. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Mich hat die Schnelligkeit beeindruckt, mit der Integration dort vorangetrieben wird. Eigene Wohnung, Sprache lernen, Job – die Flüchtlinge stehen schnell auf eigenen Beinen. Es gibt da allerdings auch einen gewissen Zwang, denn die finanzielle Unterstützung läuft in der Regel für ein Jahr. Danach ist der Großteil der Flüchtlinge, sofern keine Krankheit oder ein anderes Handicap vorliegt, in einem sogenannten »Einsteigerjob« untergekommen.

Und bei uns?

Im Bundesdurchschnitt sind es bei uns nach einem Jahr ab der Anerkennung um die zehn Prozent. In Freiburg allerdings sind es rund 30 %. Fairerweise muss man zudem sagen: Ganz so einfach lassen die Zahlen sich nicht vergleichen.

Warum nicht?

Bevor Flüchtlinge in die USA einreisen dürfen, haben sie bereits zwei Jahre in Flüchtlingscamps der UNO verbracht, in Somalia etwa oder in Jordanien. Da wurden sie bereits einem gründlichen Check unterzogen, auch einem Sicherheitscheck. Und dann nehmen die USA insgesamt nur sehr wenige Flüchtlinge auf.

Wieviele denn?

80 000 waren es 2016 offiziell, die aus den Flüchtlingscamps aufgenommen wurden im Rahmen des sogenannten Resettlement Programms. Hinzu kamen rund 120.000 Asylsuchende, die selbständig in die USA eingereist waren. Dieses Jahr wollen die Republikaner voraussichtlich sogar nur 50 000 Resettlement-Flüchtlinge aufnehmen. So kleine Zahlen machen eine schnelle Integration natürlich einfacher.

Und die, die illegal über die Grenze kommen?

Für die sieht es dann gleich ganz anders aus, da waren wir teilweise sogar richtig schockiert. Unbegleitete junge Flüchtlinge etwa bekommen kaum Hilfe. Nicht einmal einen Rechtsbeistand, wenn sie vor Gericht ihren Asylantrag stellen.

Lässt sich trotzdem etwas von den USA lernen?

Die Flüchtlingsarbeit ist sehr professionell und in den Kommunen sehr gut vernetzt, die Strukturen klar und effizient, da können wir uns vielleicht noch ein bisschen abschauen. Auch in Punkto Schnelligkeit der Integration, denke ich. Sie ist in den USA den staatlichen Stellen und der Zivilgesellschaft ein Anliegen: Ein Beleg, dass man erfolgreich gearbeitet hat. Zudem erhöht es die Akzeptanz der Flüchtlinge in der Gesellschaft, wenn man zeigen kann, dass sie schon bald keinem mehr auf der Tasche liegen. Das gilt für die USA, aber auch für uns, denke ich.

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Über den Autor

Mathias Heybrock lebt als Journalist in Freiburg und arbeitet für Zeitungen und Magazin in Deutschland und der Schweiz.



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