Wie organisiere ich einen Staatsbesuch? 
Wenn hochrangige deutsche Politiker ihre Kollegen im Ausland besuchen, werden diese Reise gründlich vorbereitet. Die Abteilung, die dafür zuständig ist, nennt man: Das (diplomatische) Protokoll.

Das Protokoll spricht sich im Vorfeld mit den Partnern im Ausland ab. Gemeinsam erarbeitet man, wie der Besuch ablaufen soll. Die Regelungen sind sehr penibel, sie reichen bis zur Kleider- und Sitzordnung.

Warum? Um Pannen zu vermeiden! Sagen wir, man erfährt im Vorfeld einer Reise, dass der indische Außenminister den grünen Tee hasst, den man als Gastgeschenk für ihn gedacht hatte (nach dem Motto «Indien, Tee, das passt»). In diesen Fall schenkt man natürlich keinen Tee, also ärgert sich auch niemand. Das Treffen bleibt harmonisch – und hoffentlich produktiv.

Pannen passieren trotzdem. Vor kurzem zum Beispiel, als der israelische Ministerpräsident Netanjahu sich sehr darüber aufregte, dass Außenminister Gabriel auf seiner Israelreise nicht nur ihn selbst treffen wollte – sondern auch Vertreter von israelischen Organisationen, die Netanjahus Politik deutlich kritisieren.

Netanjahu forderte: Entweder solle Gabriel auf das Gespräch mit den Organisationen verzichtet. Oder er verzichte auf das Gespräch mit Gabriel. Peng!

Im deutschen Außenministerium ist man sich keiner Schuld bewusst. Die Reise sei «wirklich sehr intensiv und sehr eng mit der hiesigen israelischen Botschaft, mit dem israelischen Außenministerium und mit dem israelischen Staatsprotokoll abgestimmt» worden, hieß es auf einer Regierungs-Pressekonferenz diesem Thema.

Und weiter: «Bis kurz vor Antritt der Reise» habe man «nicht den leisesten Hauch» gehabt, dass Netanjahu diese Entweder-oder-Bedingung stellen würde – «auch die Israelis nicht.»

Nach Reiseantritt ließ sich der Konflikt dann allerdings nicht mehr lösen: Netanjahu blieb bei seiner Forderung, Gabriel wollte nicht den Eindruck erwecken, er würde «einknicken».

Schlimm? Nicht wirklich, das deutsch-israelische Verhältnis wurde dadurch nicht ernsthaft beschädigt. Aber ein bisschen peinlich ist es natürlich schon, wenn ein Konflikt so lautstark vor den Augen der Öffentlichkeit eskaliert.

Auch für die Protokollchefs der beteiligten Länder – die das nächste Treffen garantiert (noch) sorgfältiger vorbereiten werden. Und ihre Politiker vielleicht auch daran erinnern, dass Diplomatie eigentlich eine stille Kunst ist.

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Über den Autor

Mathias Heybrock lebt als Journalist in Freiburg und arbeitet für Zeitungen und Magazin in Deutschland und der Schweiz.



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