Wer ist Ivanka Trump und warum wird sie kritisiert?

Der schrecklichste Mann der Welt hat eine Tochter, die eigentlich ganz nett sein soll: Ivanka Trump, 35 Jahre alt, Unternehmerin, Mutter dreier kleiner Kinder. Sie ist befreundet mit Chelsea Clinton (37), der Tochter von Hillary – auch jetzt noch, nach allem, was im Wahlkampf geschah.

Vielleicht gehört auch Kanzlerin Merkel inzwischen zu Frau Trumps Freundinnen. Als Merkel jedenfalls kürzlich beim US-Präsidenten in Washington weilte, hat sie sich sehr gut mit dessen Tochter verstanden.

So gut, dass sie Ivanka Trump gleich nach Berlin einlud, wo letzte Woche ein internationales Treffen namens W20 («Women 20») stattfand – eine Tagung, die Frauen im Wirtschaftsleben stärken möchte. Was da alles im Argen liegt, kann man unter anderem in diesem Beitrag erfahren.

Trump wurde in Berlin natürlich viel auf ihren Vater angesprochen. Sie verteidigt ihn dann immer, was soll sie auch sagen: Er ist so ein Arsch?

Dass sie sich nicht distanziert, dass sie um Verständnis wirbt, können viele nicht verstehen. Die Schauspielerin Scarlett Johansson etwa denkt offenbar wirklich, dass Trump der schrecklichste Menschen der Welt ist. In einer Comedy-Show trat sie deshalb als Ivanka Trump auf und warb in dieser Rolle für ein Parfüm namens Complicit («mitschuldig») – der US-Nachrichtensender CNN hat den Clip.

Johansson wirft Ivanka Trump also vor, an der Politik ihres Vaters mitschuldig zu sein – zusammen mit ihrem Mann Jared Kushner (36) zählt sie ja tatsächlich zu dessen engsten und einflussreichsten Beratern.

Bei anderer Gelegenheit empörte sich Johansson, dass Ivanka Trump stolz darauf sei, im Hintergrund zu bleiben und von dort Einfluss auf den Vater zu nehmen. Das sei Zeichen eines «altmodischen Frauenbilds». Auch diese Szene findet sich im oben erwähnten CNN-Clip. Genauso wie Ivanka Trumps Antwort darauf.

Man könnte es allerdings auch als gelungene Diplomatie sehen. Denn wenn Frau Trump ihren Vater öffentlich kritisiert, verliert sie sein Vertrauen – und damit auch jede Möglichkeit, Einfluss zu nehmen.

Dass Ivanka Trump keineswegs immer der gleichen Meinung ist wie Donald Trump, verheimlicht sie keineswegs. Es reicht da ein Blick auf ihre Homepage, über die sie ihre Mode verkauft – urteilt selbst, ob die Preise gerechtfertigt sind.

Aufgemacht wie ein Lifestyle-Blog, geht es auf der Seite aber auch um gesellschaftliche Fragen. Unter dem Menüpunkt Play finden sich etwa Tipps zu intelligentem Recycling. Oder ein Hinweis auf einen Dokumentarfilm von Leonardo DiCaprio, der sich mit dem Klimawandel beschäftigt.

Letzten Dezember sorgte Ivanka Trump dafür, dass ihr Vater sich persönlich anhörte, was DiCaprio, er ist auch UN-Sonderbotschafter für den Klimaschutz, zu diesem Thema zu sagen hat.

Präsident Trump mit Positionen vertraut machen, die von seiner eigenen stark abweichen – das ist eine reife Leistung. Sie beeindruckt offenbar auch Frau Merkel, die Politik zudem gern als leises, unaufgeregtes Geschäft betreibt. An Ivanka Trump gefällt ihr daher vermutlich genau das, was Scarlett Johansson missfällt: Dass die Präsidententochter eher zurückgenommen aus der zweiten Reihe heraus agiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Teilen:


Über den Autor

Mathias Heybrock lebt als Journalist in Freiburg und arbeitet für Zeitungen und Magazin in Deutschland und der Schweiz.



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Premium WordPress Themes