Frankreich hat gewählt und darf am 7. Mai gleich noch einmal abstimmen. Dann steht die Entscheidung zwischen dem parteilosen, links-liberalen Emmanuel Macron und Marine Le Pen vom Front National an. Macron versammelte bei diesem ersten Wahlgang 23 Prozent auf sich, Le Pen 21 Prozent. Der konservative Kandidat François Fillon hat seine Niederlage eingestanden und seine Anhänger um Unterstützung von Macron gebeten. Diese Wahlkampfhilfe könnte in zwei Wochen entscheidend sein.

Wer in den letzten Wochen den Wahlkampf in Frankreich verfolgte, hatte einigen Anlass sich zu wundern. Da gab es einen Skandal um François Fillon. Er hatte seiner Frau über Jahre als parlamentarische Assistentin gut 800.000 Euro bezahlt. Während Penelope Fillon in einem Interview mit dem englischen Telegraph 2007 sagte, sie habe nie für ihren Mann gearbeitet. Fillon trat nicht zurück. Seine Kontrahentin Marine Le Pen soll EU-Gelder regelwidrig ausgegeben haben und weigerte sich, diese zurückzuzahlen. Auch sie trat bekanntlich nicht zurück. Und dann gab es mit Jean-Luc Mélenchon auch noch einen Außenseiter, der gegen Ende des Wahlkampfes um das Präsidentenamt ziemlich aufholte und in etwa so viele Stimmen erzielte wie der Konservative Fillon. Eine Netflix-Serie ist nichts gegen die politische Wirklichkeit in Frankreich.

Doch es ist nicht nur die Theatralik, die den französischen Wahlkampf so besonders macht. Zwischen elf Kandidatinnen und Kandidaten konnten sich die Wählerinnen und Wähler entscheiden. Entsprechend breit war das politische Spektrum. Auch unter den Favoriten: Marine Le Pen besetzte das rechte Extrem, der Trotzkist Jean-Luc Mélenchon das linke.

Die Politik- und Parteienverdrossenheit ist in Frankreich groß. Da ist es kein Zufall, dass mit Emmanuel Macron und Jean-Luc Mélenchon gleich zwei Kandidaten unter den Favoriten waren, die nicht den etablierten Parteien angehörten.

Warum aber ist die Wahl in Frankreich so wichtig für Deutschland? Das hat viel mit Europa zu tun. Anders als Emmanuel Macron, der einen Wahlkampf mit europäischen Themen gemacht hat, will Marine Le Pen ihr Land abschotten, aus dem Euro und der EU austreten. Und sie glaubt, dass die deutsche Politik Frankreich schadet. Würde sie Präsidentin werden, ist es sehr wahrscheinlich, dass Europa als politische Einheit zerbrechen könnte.

 

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Über den Autor

Anette Hoffmann ist Journalistin und unterstützt den Jugenblog seit Anfang an.



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