Der US-amerikanische Künstler Ryan Mendoza hat ein besonderes Haus von Detroit nach Berlin geholt. Im Hinterhof, neben seinem Atelier, baute er das kleine Holzhaus wieder auf, das der Bürgerrechtlerin Rosa Parks vor 60 Jahren Zuflucht gab.

Rosa Parks hat mit zivilem Ungehorsam Geschichte gemacht. In Montgomery, Alabama, weigerte sie sich, ihren Sitzplatz im Bus zu räumen, als eine weiße Person in dieser Reihe Platz nehmen wollte. Sie verstieß damit gegen die Regeln der Apartheid und wurde dafür zu einer Geldstrafe verurteilt. Die Polizei holte sie aus dem Bus und verhaftete sie. Ihre Aktion war der Auslöser für den Montgomery Bus Boycott und brachte der Bürgerrechtsbewegung einen wichtigen politischen Erfolg: 1957 entschied der Oberste Gerichtshof, dass die Rassentrennung in öffentlichen Verkehrsmitteln in den USA aufgehoben werden muss. Bedroht vom weißen Mob, entschied sich Rosa Parks im selben Jahr, in den Norden auszuweichen. Mit ihrem Mann kam sie in Detroit, Michigan für ein paar Jahre im Haus ihres Bruders unter: 13 Kinder und 4 Erwachsene lebten hier auf 100 qm.

Fast 60 Jahre später steht dieses kleine Holzhaus in einem herunter gekommenen, für Investorinnen* interessanten Stadtteil von Detroit. Bereit zum Abbruch, vor dem es Rhea McCauley, eine Nichte von Rosa Parks 2016 rettet, als sie das Haus für 500 $ kauft. Sie macht sich auf die Suche nach einem neuen Platz, wo es als Monument an dieses Kapitel der amerikanischen Geschichte erinnern kann. Doch keinen* interessiert das. Als Ryan Mendoza, der zur gleichen Zeit Kunstprojekte mit diesen Detroiter Altbauten macht, in die Sache einsteigt, erlebt er dasselbe: in den USA findet es niemand wichtig, dass dieses Haus bleibt. So entscheidet sich Mendoza, es in seine neue Heimat Berlin zu verpflanzen, wo er seit den 1990er Jahren lebt.

Beim Abbau in Detroit helfen ihm andere. Alleine errichtet er es in seinem Hinterhof in Berlin Wedding/Gesundbrunnen neu und versetzt es vom Gebrauchsgut in Kunst. Seit Anfang April kann es dort besucht werden. Das Haus ist nicht möbliert. Niemand soll es betreten oder darin wohnen. Doch es ist beleuchtet von innen und eine Soundinstallation experimentiert mit Fernseh- und anderen Geräuschen aus den Jahren, als Rosa Parks hier lebte,

Ryan Mendoza geht davon aus, dass Rosa Parks Haus hier nur wartet. Dass die amerikanische Öffentlichkeit merken wird, dass er etwas wichtiges mitgenommen hat, das zurück geholt werden sollte. Vielleicht sind die Chancen nicht so schlecht: Fox News hat darüber berichtet: http://ryan-mendoza.com/press.html.

 

* alle Geschlechter

 

 

 

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Über den Autor

Birgit Heidtke arbeitet als Autorin und Historikerin in Freiburg. Sie organisiert Veranstaltungen, produziert Texte, Stadtrundgänge und viele andere Sachen.



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