Für was sind Innenstädte da? Zum Einkaufen? Um sich mit Freunden zu treffen? Oder auch um seine politische Meinung zu äußern und an die Geschichte zu erinnern?

Die Hamburger Performancegruppe Ligna geht mit ihren Arbeiten nicht grundlos in den öffentlichen Raum. Ihre Arbeit „Unfreiwilliges Erbe“ hat sie für das Projekt „Depot Erbe“ geschaffen. „Depot Erbe“ ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Museum für Neue Kunst und dem Theater Freiburg. Sind euch schon die großen weißen Plakate mit Nummern und QR-Code aufgefallen? 14 von ihnen hängen zwischen Theater und Museum für Neue Kunst in der Stadt. Über einen QR-Code-Scanner kann man die Toneinspielungen auf dem Smartphone hören. Ligna hat nach dem Ursprung des Satzes „Die Wahrheit wird euch frei machen“ an der Universität gefragt und die Diskussion um die Neugestaltung des Platzes der Alten Synagoge aufgegriffen. Einen Stadtplan mit den Stationen kann man hier herunterladen.

Wie an historische Ereignisse und wie an die Zeit des Nationalsozialismus erinnert wird, verändert sich gerade. Ein Grund liegt in den technischen Möglichkeiten heute. Ein anderer, dass die x-te Tafel oder der x-ten Gedenkstein nicht mehr wahrgenommen wird. Wem eine Stimme im Ohr erzählt, was am Platz der Synagoge in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 Jahren stattfand, der hört auch zu.

In Freiburg ist letzte Woche ein Projekt gestartet, an dem sich bis zu den Sommerferien Schulen, Klassen Gruppen, Schülerinnen und Schüler beteiligen können. Der Anlass ist der 80. Jahrestag der Reichspogromnacht 2018. Damals brannten in Deutschland Synagogen und Gebetsräume, jüdische Mitbürger wurden drangsaliert, verhaftet und getötet. Auch in Freiburg wurde die Synagoge zerstört. Zugleich organisierten die Nationalsozialisten Übergriffe auf jüdische Geschäfte, bei denen Schaufensterscheiben zu Bruch kamen. Daher sprach man bis Mitte der 70 Jahre von der Reichskristallnacht. Da die Historiker nicht klären konnten, ob Reichskristallnacht ein Begriff der Nationalsozialisten ist oder ob sich damit die Bevölkerung über die Machthaber lustig machte, spricht man heute lieber von Reichspogromnacht. Die Zentrale für Unterrichtsmedien koordiniert das bundesweite Projekt „Erinnerung sichtbar machen: 80 Jahre Reichspogromnacht 2018“. Technisch wird es vom Freiburger Unternehmen Future History begleitet. Die Informationen – Bildmaterial, Texte, Videos und Audiobeiträge ‒ werden über GPS-Daten und mit augmented reality-Technik auf dem Smartphone oder dem Tablet abgespielt. Einen ersten Eindruck bekommt man vom Film der Video AG der Lessing Realschule

Ligna, Unfreiwilliges Erbe. Ein Audioguide in 14 QR-Codes.  Bis 1. Mai 2017.

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Über den Autor

Anette Hoffmann ist Journalistin und unterstützt den Jugenblog seit Anfang an.



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