Ob junge Menschen Politik und Medien eher vertrauen oder misstrauen hängt vielen Umständen ab

Immer wollen alle wissen, was Jugendliche so denken. Wie sie ticken, was sie mögen, wovon sie träumen, welche Haltung sie zu Gesellschaft, Politik, Liebe oder Konsum haben. Klar. Schließlich repräsentieren junge Menschen die Gesellschaft von morgen. Da ist es nicht die schlechteste Idee, mal nachzufragen, was denn gerade ganz OK ist und was besser laufen könnte.

Die aktuellsten Antworten auf diese Fragen hat die Studie „Generation What?”, die Mitte letzter Woche vom Bayrischen Rundfunk, Südwestrundfunk und ZDF veröffentlicht wurde. „Generation What!“ gilt mit mehr als einer Vierte10lmillion Befragten zwischen 18 und 34 Jahren als größte Studie ihrer Art in Europa. Erstmals wurde sie 2013 in Frankreich unter dem Titel „Génération Quoi?” durchgeführt. 2016, im Jahr eins nach Beginn der Flüchtlingskrise, die vielen populistischen und nationalistischen Parteien in Europa Aufwind gegeben hat, wurde sie nun auf 11 Länder ausgeweitet, darunter auch Deutschland und die Schweiz. Eine Einschränkung: Nicht dabei sind Länder wie Polen, Ungarn, Großbritannien oder einige Balkanstaaten mit oft deutlich EU-kritischen Regierungen. Trotzdem repräsentiert die Studie immerhin rund 80 Mio. 18- bis 34-Jährige.

Vor allem zwei Ergebnisse fallen dabei auf:

Erstens: Junge Menschen in Europa haben kein Vertrauen in die Medien – 39 Prozent misstrauen ihnen völlig, 41 in weiten Teilen. Fraglich ist dabei nur, was genau mit „den” Medien gemeint ist. Die Studie bleibt da schwammig und unterschiedet nicht zwischen Zeitungen, Fernsehen, News-Portalen oder -Netzwerken.

Und zweitens: Noch weniger Vertrauen als in die Medien haben die Befragten in die Politik – nämlich 45 Prozent „überhaupt keines” und 37 Prozent „eher keines”. Das klingt dramatisch. Allerdings gibt es bei näherem Hinsehen große Unterschiede bei den Antworten – vor allem was Herkunft, Alter, Bildung und Lebensumstände der Befragten angeht. So haben in Deutschland „nur” 23 Prozent der jungen Menschen „überhaupt kein” Vertrauen in die Politik, während es in Griechenland 67, in Frankreich 62 und in Italien 61 Prozent sind. Ein ähnliches Mistrauen herrscht dort auch gegenüber der Justiz und der Polizei, denen in Deutschland dagegen mehr als zwei Drittel der Befragten voll oder weitgehend vertrauen.

Die Verfasser der Studie stellen diese Zahlen in einen Zusammenhang mit den Ergebnissen des Korruptions-Index von Transparency International, der jährlich eine Übersicht über die weltweite Verbreitung von Bestechung und ihre Folgen gibt. Die Schweiz, Niederlande und Deutschland etwa landeten dort 2016 unter den Top-10 der am wenigsten korrupten Staaten – d.h. gewählte Politiker nehmen hier kein Geld von Unternehmen an und machen sich so in ihrem Handeln nicht abhängig von wirtschaftlichen Interessen anderer  –, während z.B. Griechenland Platz 69 belegte. Entsprechend würden sich dort nur 13 Prozent in einer politischen Organisation engagieren wollen, während sich das z.B. in Deutschland 44 Prozent vorstellen können. Einen deutlich besseren Ruf als politische Parteien haben überall die Nichtregierungsorganisationen (NGOs), für die sich europaweit knapp zwei Drittel (61 Prozent) der Jugendlichen engagieren oder gerne enagagieren würden.

Und was sind laut „Generation What?” die dringendsten Probleme der jungen Menschen in Europa? 37 Prozent sagen Jobsuche, 36 Umwelt, 27 Bildung. Nur 16 Prozent dagegen sehen in der Zuwanderung ein Problem. Ihnen gegenüber steht eine große Mehrheit, die diese als Bereicherung der kulturellen Vielfalt begrüßt – in Deutschland sind das mit 80 Prozent der Befragten übrigens genau so viele wie die, die den zunehmenden Nationalismus in Europa mit Sorge beobachten.

Wenn Ihr mehr zu der Studie wissen wollt, könnt Ihr euch hier die Ergebnisse downloaden.

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Über den Autor

Wir sind das Team, das hinter dem Jugendblog Freiburg steht. Aktuell sind dies: Jannik, Helen & Dominik aus der Jugendarbeit und Dieter, Annette, Jürgen & Matthias aus dem Journalistenbüro.



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