Ein freiwilliges halbes oder ganzes Jahr in der Ferne geht auch ohne Abi. Haupt- und Realschulabschluss reicht – wenn ihr dazu auch berufliche Erfahrungen nachweisen könnt. Rechnet mit einem Jahr Vorlaufzeit ab eurer Bewerbung – denn bevor es losgehen kann, erwarten euch Vorstellungsgespräche, Vorbereitungsseminare und Sprachkurse. Ein kurzer Überblick über drei vom Bund getragene Programme und was ihr von ihnen erwarten könnt.

Der Internationale Jugendfreiwilligendienst (IJFD) wird vom Familienministerium getragen und vermittelt Dienste für alle Weltregionen. Hier käme also auch ein Lieblingsland wie die Faröer Inseln, Kanada oder Spanien in Frage. Von den Möglichkeiten der FDs bietet dieses Portal mit sozialer, ökologischer, pädagogischer und Friedensarbeit ein breites Spektrum an.

Wie alle anderen Programme auch, arbeitet der IJFD mit Entsendeorganisationen zusammen. Sie sind es, die sich unter den Bewerberinnen* für euch entscheiden werden. Das Familienministerium bietet dabei die Möglichkeit, sich über ein Online Portal vorzustellen. Das kann euch die Arbeit ersparen, viele einzelne Bewerbungen zu verschicken.

Für alle FDs im Ausland gilt, dass ihr einen Teil der Reise- und Aufenthaltskosten selbst aufbringen müsst. Obwohl es nicht zur Bedingung gemacht werden darf, verlangen die Entsendeorganisationen in der Realität, dass ihr eine eigene Spendenkampagne promotet und so euren Eigenanteil mit Hilfe der Verwandten oder anderer Sponsoren* finanziert. Mit welchen Summen ihr rechnen müsst, hängt von den Lebenshaltungskosten eures Wunschlandes ab. Und je beliebter euer Ziel ist, desto höher kann der Eigenanteil ausfallen.

Genauere Angaben dazu macht das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) für sein Programm weltwärts www.weltwärts.de. Dreiviertel eures Einsatzes zahlt hier der Bund, zwischen 1.800 und 2.500 steuern die Entsendeorganisationen bei – normalerweise auch hier mit Hilfe eurer eingeworbenen Spenden. Die Webseite von weltwärts ist sehr übersichtlich – ihr findet hier schnell die wesentlichen Informationen und könnt euch selbst einen Eindruck machen.

Für den Überblick gibt es z.B. eine FD-Datenbank für alle Länder und Entsendeorganisationen. Ein Blick auf die weltwärts Weltkarte zeigt viele weiße Flecken und macht klar, dass es ein entwicklungspolitisches Programm ist. Afrika, Lateinamerika, Osteuropa, der Nahe Osten, Ozeanien gehören zu den Regionen, in denen ihr einen FD im Bildungs- oder Gesundheitswesen, im Umweltschutz oder in einer Menschenrechtsorganisation machen könnt. Übrigens findet ihr über den Link auf die Hirschfeld-Eddy-Stiftung sogar einen Überblick, welche Länder für LGTB-Freiwillige nicht zu empfehlen sind. Weltwärts hat kein zentrales Bewerbungsportal, ihr müsst euch hier direkt an die Entsendeorganisationen wenden.

Kulturweit, das Programm der Deutschen UNESCO-Kommission und des Auswärtigen Amtes, vermittelt FDs im Kultur- und Bildungsbereich und kooperiert hier z.B. mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst, dem staatlichen Auslandssender Deutsche Welle oder dem Goethe-Institut. Beim Surfen auf dieser Seite wird schnell deutlich, dass sich dieses Programm an junge Erwachsene mit akademischem Hintergrund richtet und Karrierechancen aufmöbeln kann: für den diplomatischen Dienst, als zukünftige Kulturattacheuse* oder Deutschlehrer* im Ausland kannst du hier Punkte machen.

Mir vermitteln schon die Erfahrungsberichte der FDlerinnen* einen Geschmack von Elite. Und die anbietenden Institutionen scheuen sich nicht, euch deutlich zu machen, wer bei ihnen nichts zu suchen hat. Versucht es mal mit dem Vorstellungsfilmchen des Deutschen Archäologischen Instituts: https://www.kulturweit.de/netzwerk/deutsches-arch%C3%A4ologisches-institut. Romantische Ausgrabungsarbeit könnt ihr euch aus dem Kopf schlagen! Sie wollen euch für die Bibliothek, für Datenbanken, Inventare, Pressemitteilungen.

Bei kulturweit bewerbt ihr euch zentral. Dabei müsst ihr eure Fähigkeiten und Interessen möglichst so gut darstellen, dass, solltet ihr tatsächlich auserkoren werden, am Ende auch das herauskommt, was ihr machen wolltet: Radio oder Deutschunterricht? In diesem Verfahren entscheidet nicht ihr, was am besten zu euch passt, sondern Kulturweit macht das für euch.

Wofür auch immer ihr euch entscheidet: Viel Glück!

 

* alle Geschlechter….

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Über den Autor

Birgit Heidtke arbeitet als Autorin und Historikerin in Freiburg. Sie organisiert Veranstaltungen, produziert Texte, Stadtrundgänge und viele andere Sachen.



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