Wenn wie vor kurzem die Polizeiliche Kriminalstatistik für Baden-Württemberg veröffentlicht wird, gibt es viele Infografiken. Was zeigt so eine Grafik eigentlich und wie beeinflusst sie uns?

Unter der Überschrift „Zahl der Straftaten von Flüchtlingen deutlich gestiegen“ veröffentlichte die Badische Zeitung diese Infografik, um zu verdeutlichen, was die Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik bedeuten.

[https://infogr.am/woher_kamen_die_tatverdachtigen_fluchtlinge]

Wer den Artikel überfliegt und vor allem die Überschrift und die Grafik anschaut, wird vielleicht erschrecken. Was, so viele kriminelle Flüchtlinge?

Man kann die Grafik aber auch etwas anders aufsetzen:

Hier ist die Wirkung eine andere. Man denkt: Wahnsinn, so viele Straftaten. Das Gefühl der Bedrohung ist allerdings etwas diffuser. Denn man sieht, dass Flüchtlinge nur einen Teil der Tatverdächtigen stellt, über die meisten Tätern erfährt man hier nichts.

Interessant für das Gefühl der Bedrohung ist auch das Verhältnis von Straftätern zur Gesamtbevölkerung. Lauert an jeder Straßenecke ein Verbrecher? Die entsprechende Grafik sieht so aus:

Wirkt das sehr bedrohlich?

Statistiken und Grafiken sind toll, aber man kann auch gut mit ihnen manipulieren, je nach dem, wie man sie anlegt.

Ein schönes Beispiel für die Verschiebung der Wahrnehmung je nach Infografik ist dieses.

Im dazugehörigen Artikel wird behauptet, dass Armut zwar schlimmer ist als Bluthochdruck, aber Rauchen und Diabetes das Leben noch viel stärker verkürzen.

Nicht bedacht wird hier aber, dass Diabetes und Rauchen gerade in einkommensschwachen Schichten eine große Rolle spielt. Wenn du wirklich wissen möchtest, um wie viele Jahre Armut dein Leben verkürzt, ist diese Grafik interessanter:

Der zugehörige Artikel erklärt, dass armen Männer nicht nur 11 Jahre früher sterben, sondern sich sogar 14 Jahre früher nicht mehr mit der eigenen Gesundheit zufrieden sind. Damit lässt Armut den Spitzenreiter „Rauchen“ aus der anderen Statistik weit hinter sich.

Also, Statistiken sind prima, aber nichts, was man einfach glauben sollte, sondern eher etwas, zum gründlich Anschauen und drüber Nachdenken.

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Über den Autor

Jürgen Reuß ist freier Journalist, nicht nur von Berufs wegen neugierig und hat das Glück, dass ihm Recherchieren Spaß macht.



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