Nein zu sagen ist nicht so einfach, wenn es um Sex geht. Was für den anderen* ein No Go ist, während ich selbst das doch ganz normal und toll finde, können wir nicht einfach so nebenher mitkriegen: das geht dann auch mal schief. Besser wäre es, wir würden vorher darüber reden. Das ist die Ausgangsidee einer Bewegung, die erreichen will, dass eines möglichst selten passiert: beim Sex schlechte Erfahrungen zu machen. Über Sex zu reden fällt den meisten von uns wirklich nicht schwer – aber können wir es auch während dem Sex?

Viele Generationen von Feministinnen* haben dafür gekämpft, das „Nein“ von Frauen auf sexuelle Angebote ernst zu nehmen, und es als Recht auf sexuelle Selbstbestimmung in Gesetzen zu verankern. Trotz aller Reformen ist der gesellschaftliche Fortschritt in diesem Bereich leider extrem langsam.

Eine Strategie, um hier weiter zu kommen, ist das Zustimmungskonzept. Ausführlicher könnt ihr im Netz zum Beispiel auf der Seite Wir lieben Konsens Informationen dazu finden. Ganz kurz gesagt geht es darum, die Vorzeichen umzudrehen: fangt erst an, wenn ihr euch bei der anderen* über das „Ja“ sicher seid. Und macht bitte auch nur weiter, wenn ihr ein okay dafür habt. Fragt also auch mittendrin. Achtet aufeinander. Das vor allem ist der springende Punkt bei dieser Idee: Sex ist nichts, was zu ende gebracht werden muss. Für jeden* von euch kann es tausend Gründe geben, zwischendrin auszusteigen. Dieses Mal. Vielleicht auch das übernächste Mal. Vielleicht auch in drei Monaten oder zwei Wochen.

Sehr witzig erklärt dieses Prinzip ein Video der britischen Polizei – verständlich auch, wenn ihr fast kein Englisch könnt: https://wirliebenkonsens.wordpress.com/2016/04/14/tea-and-consent/

Sexual Consent – Konsens beim Sex – tauchte als Selbsthilfebewegung etwa Mitte der 00er Jahre in den USA auf und ist in der angloamerikanischen Welt viel bekannter als hier. Selbstverständlich gibt es auch viel Kritik daran. Vor allem an der Behauptung eines „sexy consent“ – dass einvernehmlicher auch besserer Sex sei – scheiden sich die Geister. Da gibt es z.B. die, die das Spontane, Unausgesprochene beim Sex hoch- und den Consenteers vorhalten, mit ihrem pädagogischen Regelwerk langweiligen Blümchensex zu verbreiten. Diese halten dagegen, dass nur einvernehmlich alles, und noch viel mehr möglich ist.

Auf der Suche nach Informationen zum Konsens beim Sex bin ich tatsächlich schnell auf Seiten gekommen, die bis ins einzelne beschreiben, warum, wie und wozu Zustimmung beim Sex gebraucht wird. Für meinen Geschmack zu viele Tipps – und ein bisschen zu viel Gerede. Trotzdem gefällt mir, dass sie eine alte Idee wieder hip zu machen: über Sex zu reden. Vor allem mit denen, mit denen wir’s machen.

 

*alle Geschlechter…

 

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Über den Autor

Birgit Heidtke arbeitet als Autorin und Historikerin in Freiburg. Sie organisiert Veranstaltungen, produziert Texte, Stadtrundgänge und viele andere Sachen.



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