Ein Interview mit dem Lehrer Dejan Mihajlovic, der an der Pestalozzi-Realschule für die digitale Beteiligungs-Plattform Aula zuständig ist.

Herr Mihajlovic, seit letztem September gibt an Ihrer Schule die digitale Plattform Aula, über die der Jugendblog bereits berichtet hat. Ihr Fazit nach einem halben Jahr?

Wir merken schon, dass es richtig Arbeit ist, den Schülern das nahezubringen. Viele sind erst einmal etwas skeptisch. Sie sagen: Es gab bislang nie richtige Mitbestimmung – warum jetzt? Und leider haben sie recht, wie ich aus 14 Jahren Tätigkeit für die SMV sagen muss. Aber ich sehe auch: Unserer Schulleitung ist es ernst! Die findet Aula sehr wichtig und ist wirklich daran interessiert, dass das funktioniert.

Wenn man den Schülern im Unterricht jetzt auch eine digitale Beteiligungs-Plattform nahe bringen muss: Bleibt da überhaupt noch Zeit für Mathe und Deutsch?

(Lacht etwas gequält) Diesen Einwand höre ich oft. Aber die Beschäftigung mit Aula findet in den Klassenlehrer-Stunden statt, in denen schon zuvor interne Belange diskutiert wurden – welche Ideen es etwa für Klassenfahrten gibt. Aula nimmt dem Fachunterricht also nichts weg. Wir stellen damit lediglich ein digitales Werkzeug vor, das Beteiligungsprozesse sehr einfach und gleichzeitig sehr transparent macht. Zudem finde ich: Beteiligung einzuüben, ist kaum weniger wichtig als Mathe oder Deutsch. Es ist im Gegenteil extrem elementar.

Warum?

Man sieht ja in unserer Gesellschaft, wie viele Menschen sich ungehört fühlen – und wie sich ihr Protest dann artikuliert. Ich bin felsenfest überzeugt: Wer schon früh die Erfahrung macht, dass er sich an Prozessen beteiligen kann, dass er Politik mitgestalten kann, wenn er gute Argumente hat –  der interessiert sich nicht mehr für Phänomene wie die AfD.

Und Aula kann dazu beitragen?

Wir stehen ja noch ziemlich am Anfang. Doch interessante Ansätze gibt es. Eine Gruppe von Schülern etwa hat bei Aula eine Idee eingestellt – und belässt es nicht dabei. Sie werben jetzt persönlich dafür, gehen in jede Klassenlehrer-Stunde jeder einzelnen Klasse, um ihr Projekt vorzustellen. Das ist schon ziemlich toll, weil das gelebte Demokratie, beziehungsweise Politik im schulischen Rahmen ist.

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Über den Autor

Mathias Heybrock lebt als Journalist in Freiburg und arbeitet für Zeitungen und Magazin in Deutschland und der Schweiz.



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