Der Freiburger Schüler Jakob Ortmann hat einen Dokumentarfilm gedreht, der sich mit dem Widerstand der Gruppe «Freiburger Kreis» in der NS-Zeit beschäftigt.

Freiburg im Nationalsozialismus, ja, ich weiß, großes, nicht gerade freudvolles Thema. Wer schon im Augustinermuseum war oder eher bei einem Film Lust auf Geschichte bekommt – der wird vielleicht bei dem 18-jährigen Freiburger Jakob Ortmann fündig.

Ortmann geht aufs Friedrich-Gymnasium in Herdern. Dort wurde der Seminarkurs «Geschichte im Film – Freiburg unter Trümmern» angeboten. «Wer ihn mit einer Arbeit abschloss, ersparte sich die mündliche Prüfung» erzählt Ortmann. Wenn das keine Motivation ist. Los ging’s.

Bei seinen Recherchen stieß Ortmann eher zufällig auf eine Notiz über den Freiburger Kreis: Das ist der Name einer Gruppe von Uniprofessoren um den Wirtschaftswissenschaftler Walter Eucken, viele von ihnen bekennende Christen.

Er begann sich für diesen Kreis zu interessieren und zeichnet in seinem 23-minütigen Film dessen Geschichte nach: Die Opposition zur nationalsozialistischen Hochschulpolitik des Freiburger Uni-Rektors Martin Heidegger. Später die Verfassung einer «Denkschrift» darüber, wie Deutschland nach dem Ende des NS-Terrors geordnet sein könnte. Das freilich galt den Nazis als Hochverrat.

Ortmanns Film ist sehr gut, sehr professionell gemacht. Er durfte viele interessante Archivaufnahmen verwenden, führte außerdem Interviews, etwa mit dem Historiker Bernd Martin oder mit Christine Blumenberg-Lampe – deren Vater Adolf Lampe zum Freiburger Kreis gehörte. Dazu ein ordentlicher Soundtrack sowie ein Kommentar, der anschaulich erläutert und erklärt.

Man kann den Film kostenlos im Netz anschauen: Unter denktag.de – einer Seite der Konrad-Adenauer-Stiftung, die alljährlich einen «Jugendwettbewerb gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus» veranstaltet. Im Jahr 2016/17 gewann Ortmann hier den zweiten Platz.

Es lohnt sich, auch in in denen anderen eingereichten Wettbewerbsbeiträgen ein bisschen zu stöbern. Die Themenvielfalt ist groß. Es geht nicht nur um die deutsche Geschichte, sondern auch um die Gegenwart. Die Lebenswirklichkeit von Flüchtlingen etwa oder um Rassismus im Sport, besonders im Fussball.

Ortmann interessiert sich schon lange für Film und fragt sich, ob das auch eine berufliche Zukunft sein könnte: «Auf jeden Fall ist das mehr als eine Überlegung wert.» Er schließt allerdings seufzend: «Wenn sich doch damit bloss auch Geld verdienen ließe!»

 

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Über den Autor

Mathias Heybrock lebt als Journalist in Freiburg und arbeitet für Zeitungen und Magazin in Deutschland und der Schweiz.



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