wollen viele von uns. Am einfachsten geht das in Projekten, die genau das auf die Füße stellen: Gelegenheiten, möglichst normal und entspannt Zeit miteinander zu verbringen. Wo aber gibt es Freiburg Orte, wo vor allem jüngere Freiburgerinnen* das organisieren und wo Jugendliche gut einsteigen können? Unsere erste Station auf dieser Suche ist das Flüchtlingsheim Längenloh in Zähringen. Hier läuft seit Oktober das besondere Projekt, ein Zusammenleben von Geflüchteten und Studierenden auszuprobieren. In zwei Häusern der Anlage wohnen rund 70 Studies aus Deutschland, Europa und der Welt in Stockwerk-WGs, Einzelzimmer mit Gemeinschaftsküche und – bad. Ihre Nachbarn* sind rund 150 geflüchtete Neu-Freiburger*. Auch sie kommen aus unterschiedlichen Ländern. Im Unterschied zu den Studies teilen sie sich ihr Zimmer mit anderen.

„Komm einfach morgen mal vormittags vorbei und schau es dir an“, lädt mich Marie, eine der Studierenden ein. Wir treffen uns im Haus 6 des Wohnheims. Dort gibt es zwei große Räume, in denen Platz für alles mögliche ist. Heute, am Freitag trifft sich ab 10 Uhr die Freiburger Häkel- und Strickgruppe. Marie, Lucia, Shorsh und Gabi sind schon da. Ich bekomme eine Tasse Tee und setze mich dazu. Und staune über den Schal, den mein Nachbar Shorsh häkelt: grau und schon ziemlich lang. Shorsh ist aus Syrien, 22 Jahre und seit fast zwei Jahren hier. Mittlerweile lebt er in einer Freiburger Familie und bereitet sich auf die fortgeschrittene Deutschprüfung vor.

Die älteste am Tisch ist Gabi. Sie erzählt mir, wie das alles begann: als die Luftkissenzelte in der Lörracherstraße sich im Herbst 2015 mit Geflüchteten füllten, saß sie nämlich mit einem Beutel Wolle auf einer Bank beim großen Edeka und häkelte. Andere kamen dazu, für Gespräche, zum Handarbeiten. Als es kalt wurde, zog die Gruppe um in den benachbarten Alpenverein, der seine Türen für Flüchtlinge öffnete. Heute tingelt die Häkelgruppe durch die Wohnheime und ist auf Festen, um den Zauber des gemütlichen Zusammensitzens weiter zu verbreiten.

Lucia und Marie gehören zu den studentischen Bewohnerinnen* im Längenloh. Lucia kommt aus Cordoba, Argentien. Jeden Samstag nachmittag macht sie ein Kinderprogramm im Haus 7. Das läuft gut, viele Kinder kommen und haben Spaß. Marie erzählt mir, dass sie sich nicht als edle Helferinnen sehen, sondern im Längenloh wohnen, weil sie die Idee gut fanden, Geflüchtete als Nachbarn zu haben. Da lernt man sich einfach kennen, hilft sich gegenseitig, macht gemeinsam Pläne. Gerade ist so die Idee des Wohnzimmers entstanden: von Montag bis Donnerstag steht der Raum in Haus 6 ab 19 Uhr offen für alle und für alles mögliche: Musik machen, Filme gucken, beisammen sitzen. In der letzten Woche gab es ein Eröffnungsfest. Viele waren neugierig und sind vorbei gekommen.

Mittlerweile wird es richtig gemütlich im Häkelkränzchen. Eva, Kristin und Jessica sind noch dazu gekommen. Pink Pussy Hats kommen jetzt auf den Tisch. Nebenher bespricht Marie mit einer syrischen Nachbarin Organisatorisches zu einem Verlobungsfest, das am Samstag hier stattfinden wird.

Ich will wissen, ob auch junge Leute, die nicht hier wohnen, einfach mal reinschauen können. Der Freitag morgen passt sicher nicht so von der Zeit, doch das offene Wohnzimmer und auch die Kinderbetreuung am Samstag Nachmittag wären dafür genau das richtige, finden die Längenloherinnen*.

Shorsh empfiehlt mir noch das Sonntagsevent der Flüchtlingsinitiative Freiburg in der Freien Waldorfschule St. Georgen. Dort wird getanzt, den ganzen Nachmittag, von 14-17 Uhr. Kurdische, afghanische und andere Tänze. Neue und Neugierige sind hier willkommen. Auch das Fußballteam, das den anderen Teil der Schulhalle nutzt, kommt nach dem Training noch zum Tanzen hierher.

 

Wo und wann:

Wohnheim Längenloh, Haus 6, Gundelfingerstr. 35. Offenes Wohnzimmer Montags bis Donnerstags ab 19 Uhr.

Sonntagsevent der Flüchtlingsinitiative Freiburg, Waldorfschule St. Georgen, Bergiselstr.11. Nächster Termin am 19.3. von 14-17 Uhr.

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Über den Autor

Birgit Heidtke arbeitet als Autorin und Historikerin in Freiburg. Sie organisiert Veranstaltungen, produziert Texte, Stadtrundgänge und viele andere Sachen.



  • Dirk sagt:

    Im Haus197 wird jeden Dienstag in lockerer Runde mit meist Geflüchteten gekocht und gegessen. Anschließend kann man sich beim Billiard oder Tischtennis besser kennenlernen. Jeder ist da willkommen

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