Geburtstage zu feiern ist eine gute Sache. Man versammelt all die um sich, die man mag. Und dann gibt’s auch noch Geschenke. Wenn Städte Geburtstag haben, wird es gleich komplizierter. Schließlich entscheidet nicht einer allein, was auf den Tisch kommt. Und noch etwas ist anders: Stadtjubiläen sind ein Geschenk an alle.

In Freiburg steht 2020 ein Stadtjubiläum an. Vor zwei Jahren wurde die Intendantin des Theater Freiburg Barbara Mundel beauftragt, das Fest zu planen. Sein Motto lautet „Freiburg 2020 – Brücken bauen und neue Wege gehen“ und das Konzept umfasst sieben Seiten. 1120 verliehen die Zähringer-Herzöge Freiburg das Markt- und Stadtrecht. Grund genug zu feiern. Fanden alle. Jetzt finden das nicht mehr alle. Denn mittlerweile ist die Summe veröffentlicht, die die Feierlichkeiten kosten sollen: neun Millionen Euro. Neun Millionen Euro ist viel Geld. Zumal im kommenden Doppelhaushalt die Stadt Schulden aufnehmen muss.

Die Diskussion ist geprägt davon, dass in Freiburg Wahlkampf gemacht wird. In diesem Jahr haben wir Wahlen zum Bundestag und 2018 möchte Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon wiedergewählt werden. Die FDP überschrieb ihren Fraktionsbeitrag im Amtsblatt vom 10. Februar mit „Salomon-Festspiele abgesagt – Vernunft im Gemeinderat“. Das ist ein bisschen leicht zu durchschauen: das Jubiläum soll mit dem Oberbürgermeister gleichgesetzt und damit herabgesetzt werden, während man selbst lediglich das Gemeinwohl im Auge hat. Tatsächlich sind bis auf die Fraktion Unabhängige Liste alle anderen Fraktionen dagegen, so viel Geld für ein Stadtjubiläum auszugeben. Andere wiederum befürchten jetzt, das Fest könnte arg provinziell geraten. Nebenbei: die 300 Jahr-Feier von Karlsruhe 2015 kostete 19 Millionen Euro.

Doch was sieht das Konzept überhaupt vor? Im Zentrum steht die Frage nach der Zukunft der Stadt. Die Kultur und die kulturellen Institutionen sind wichtig, aber auch Fragen der sozialen Gerechtigkeit, Bildung, Stadtentwicklung und Natur. Die Festlichkeiten zum Jubiläum sollen auf vier Elementen beruhen. Zum einen auf verschiedenen Feiern und Events, wie zum Beispiel interkulturelle Stadtfeste; zum anderen auf Projekten, die über das Jahr 2020 andauern sollen, etwa Kooperationen mit der Universität, Sportprojekte für Jugendliche oder Kunst- und Architekturprojekte. Zum dritten sollen Ideen aus der Stadt selbst, von ihren Einwohnern, Vereinen oder Initiativen verwirklicht werden und zum vierten sollen kulturelle Institutionen aus der Stadt und der Region eingeladen werden, gemeinsam mit den Organisatoren des Stadtjubiläums Projekte zu entwickeln.

Das alles steckt noch in den Kinderschuhen. Ob es eine Chance bekommt, aus diesen herauszuwachsen, wird sich im März zeigen, wenn der Gemeinderat über das Jubiläum debattiert.

Was meint ihr, wie sollte man 900 Jahre Freiburg feiern?

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Über den Autor

Anette Hoffmann ist Journalistin und unterstützt den Jugenblog seit Anfang an.



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