Ok, es kann sein, dass alles auf einer Fake-News beruht. Der amerikanische Newsletter Axios zitierte Anfang Februar eine anonyme Quelle, dass es im Weißen Haus seit der Amtseinführung von Donald Trump einen speziellen Dress-Code für Mitarbeiter gäbe. Eigentlich nichts Besonderes möchte man meinen, schließlich sollte es eine Ehre sein, dort zu arbeiten. Doch als öffentlich wurde, dass Mitarbeiterinnen sich wie Frauen anziehen sollen (dressed like a woman), stachelte dies die Kreativität vieler Twitterbenutzerinnen an.

Trump und die Frauen sind ein ganz eigenes Kapitel. Der Präsident war nicht erst seit dem Wahlkampf mit frauenverachtenden Sprüchen aufgefallen. Dennoch waren 42 Prozent seiner Wähler Wählerinnen. Auch der Skandal um das mitgeschnittene Gespräch, in dem Trump behauptete, er als Star könne Frauen einfach so an ihr Geschlecht greifen, hatte keine Konsequenzen. Vergessen ist er nicht. Am 21. Januar 2017, einem Tag nach der Amtseinführung gingen Hunderttausende auf die Straße. Viele Frauen trugen pinkfarbene Mützen mit Katzenohren, liebevoll „pussy hats“ genannt, als ein offensives Zeichen dafür, dass ihr Geschlecht ihnen gehört. Man kann von Trumps Regierungsstart halten, was man will, er sorgt für originelle und humorvolle Protestformen.

Warum jetzt dieser neue Aufreger? Gibt es nicht Kleidung, die weiblicher ist als andere? Man muss nur einmal die Vorzeichen umdrehen, um zu verstehen, wie unsinnig dieses „dressed like a woman“ ist. Niemand würde ernsthaft von Männern verlangen, sie sollen sich wie Männer kleiden. Und die Identität von Frauen soll von ihrer Kleidung abhängen? Unter dem Hashtag #DressKikeAWoman kursieren mittlerweile Fotos von Frauen, wie sie sich selbst sehen und aus ihrem Arbeitsalltag. Darunter sind Vorbilder wie die liberale Richterin am Obersten Gerichtshof Ruth Bader Ginsburg im Talar oder Anousheh Ansari im Raumanzug. Die Amerikanerin mit iranischen Wurzeln war die erste Muslima im Weltall. Viele Frauen zeigen sich bei der Arbeit als OP-Schwester, als Ärztin oder als Naturwissenschaftlerin. Es sind wichtige Jobs, für die man gut ausgebildet sein muss. Es gibt Fotos von Frauen-Eishockeyteams, von Pilotinnen der Luftwaffe und von Soldatinnen, die Kinder aus Flutgebieten retten. Die Tochter von Patricia Stephens Due trug ein Foto ihrer Mutter bei. Es zeigt die schwarze Bürgerrechtsaktivistin, wie sie von Polizisten auf einer Demonstration 1963 weggetragen wurde. Dass sie dabei ein Kleid trug, wen interessiert es?

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Über den Autor

Anette Hoffmann ist Journalistin und unterstützt den Jugenblog seit Anfang an.



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