Trump liebt einfache Sätze. Und seine Fans lieben ihn, weil er kompliziert Dinge einfach macht. Trumps Faustregel fürs Regieren ist: Alles, was sich nicht auf Twitter mit 140 Zeichen sagen lässt, ist gelogen, sind Fake News. Tausendseitige Verträge mit anderen Ländern aushandeln, nur um Geschäfte mit ihnen zu treiben? Quatsch. Eine Regel reicht: America first! Amerika über alles!

Nehmen wir mal an, die Welt wäre so einfach. Was heißt das für den Rest der Welt? Die Holländer haben es als erste kapiert: Wenn es für Länder eine Reihenfolge gibt, und Amerika first ist, muss man zusehen, wenigstens Zweiter zu werden. Also haben sie schnell ein Bewerbungsvideo gedreht. Da die Welt nun eine Trump-Welt ist, haben sie sich Mühe gegeben, sich so zu bewerben, dass es Trump auch wirklich gefällt. Alles, was die Niederlande betrifft, ist „großartig“ und „fantastisch“, alle anderen Länder sind „Drecksäcke“ und „totale Looser“. Trump will eine Mauer gegen Mexikaner bauen? Die Holländer* haben längst eine Riesenmauer gebaut. Gegen das Wasser. Kein mexikanisches Wasser kann nach Holland eindringen. Guckst du hier:

Und wir Deutsche? Können das natürlich nicht auf sich beruhen lassen. Wir wollen auch Zweiter sein. Das Bewerbungsvideo präsentiert Jan Böhmermann:

Die Stimme vom Video klingt vertraut? Ja, das ist Trump. Äh, nein. Tschuldigung. Fake News. Das ist Shaun Streeter aus Panama City, Florida. Ein Stimmimitator, der aber so gut ist, dass er echter klingt als Trump selbst. Die Dänen (ja, die wollen auch second sein) haben ihn als erste für ihr Bewerbungsvideo über ein Internet-Portal für Gelegenheitsjobs gebucht. Seitdem stehen die Länder Schlange bei ihm.

Inzwischen ist aus den Bewerbungsvideos eine weltweite Bewegung mit eigener Website geworden. Und wenn du auf YouTube suchst, findest du sogar noch mehr Videos. Sogar der Mars bewirbt sich. Übrigens begnügen sich nicht alle mit dem zweiten Platz. Namibia will zum Beispiel auch Erster werden. Litauen und Pakistan dagegen würden sich mit dem dritten Platz begnügen. Und dem Iran genügt es, einen Platz vor dem Irak zu sein.

Was sagen eigentlich Russland und China zu Trumps erstem Platz. Die Russen nehmen es gelassen. Wissen sie doch, dass sie eigentlich hinter allem stecken. Ihr „Second“ steht in Anführungszeichen und ist natürlich das eigentliche „First“. Und die Chinesen? Lassen Trump selbst zu Wort kommen:

Ok, das ist alles Satire. Aber wenn das alles Satire ist, was sind dann die Reden von Donald Trump? Kann man ein riesiges Land wie die USA mit einfachen Twitterbotschaften regieren? Haben Länder mal hundertseitige Verträge abgeschlossen, weil so viele Erster oder Zweiter werden wollten, dass man ein paar mehr Dinge regeln musste? Und überhaupt: Wer von den 62.212.752 Trump-Wählern ist jetzt eigentlich first? Oder müssen die auch erst der Reihe nach sortiert werden?

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Über den Autor

Jürgen Reuß ist freier Journalist, nicht nur von Berufs wegen neugierig und hat das Glück, dass ihm Recherchieren Spaß macht.



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