Was ist «einfache Sprache» und aus welchem Grund gibt es sie?

Mathias Heybrock

Das Leben kann ganz schön kompliziert sein. Manchmal ist es sogar komplizierter, als es eigentlich sein müsste.

Zum Beispiel, wenn man herausfinden will, ob man Wohngeld beantragen kann – aber das Juristendeutsch nicht versteht, in dem das entsprechende Amtsblatt formuliert ist. Häh? Erfülle ich jetzt die Voraussetzungen? Oder nicht.

Für einen solchen Fall gibt es den Wohngeldantrag in «leichter Sprache». «Leichte Sprache» meint etwas ähnlich wie «einfache Sprache» – sie ist nur noch ein bisschen einfacher: Die Sätze sind kurz. Sie machen jeweils nur eine einzige Aussage. Fremdwörter werden vermieden oder erklärt. Auf diese Weise werden komplizierte Sachverhalte in gut verständliches Deutsch «übersetzt».

Einfache oder leichte Sprache wurde ursprünglich entwickelt, um Menschen mit einer Lern- oder Lesebehinderung die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Sagen wir, an einer Diskussion über komplizierte Themen wie Politik oder Wirtschaft. Nachrichten aus diesen Bereichen, aber auch aus Kultur und Unterhaltung, übersetzt zum Beispiel der Deutschlandfunk in leichte Sprache.

Inzwischen gibt es immer mehr Texte (und auch Erklär-Videos) in leichter und einfacher Sprache. Auf einer Seite der Bundeszentrale für politische Bildung wird auf diese Weise zum Beispiel erklärt, wie man Facebook nutzt, wie man sich anmeldet, seine Daten schützt oder dort Spiele spielt.

Längst richten sich Angebote in leichter Sprache nicht mehr nur an Menschen mit Behinderung – sondern an alle, die Schwierigkeiten mit «normaler» Sprache haben. Migranten etwa, die nicht gut Deutsch können. Insgesamt könnten 20 Millionen Menschen von einfacher Sprache profitieren, hieß es in einer interessanten Radio–Diskussionsrunde.

Die permanente Ausweitung der Angebote in leichter Sprache wird aber auch kritisiert, etwa von dem Spiegel-Journalisten Martin Doerry. Er befürchtete in der oben genannten Diskussion: Wird alles für alle in leichter Sprache formuliert, verarmt unsere Sprache. In der Folge sinkt das allgemeine Sprachniveau – das dann unserem komplizierten Leben nicht mehr gerecht wird.

Für mich persönlich kann ich sagen: Amtsblätter in einfacher Sprache finde ich gut. Facebook mit alle seinen daten-rechtlichen Konsequenzen verständlich erklärt zu bekommen ebenfalls. Ansonsten aber bevorzuge ich die normale Sprache. Sie kann nämlich sehr wohl gleichzeitig komplex und klar verständlich sein – auch wenn das alles andere als einfach ist.

Was haltet Ihr von Angeboten in einfacher Sprache. Kennt Ihr sie? Findet Ihr sie für Euch nützlich?

 

Teilen:


Über den Autor

Mathias Heybrock lebt als Journalist in Freiburg und arbeitet für Zeitungen und Magazin in Deutschland und der Schweiz.



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Premium WordPress Themes