Letzten Juli bremste ich an einem lauen Nachmittag für ein selbstgemaltes Schild, das an der mit wandernden Baustellen entschleunigten Fahrradachse Rotteck-Werthmann-Kronenstraße in Höhe des Stadttheaters aufgestellt war: „Gratis Fahrradkette ölen“. Tatsächlich saßen dort am Bordsteinrand ein paar gut gelaunte Brüder und Schwestern auf Stühlchen und warteten mit Lappen und Ölkännchen auf Kundschaft. Das Angebot war echt kostenlos – selbst Spenden wollten diese freundlichen, großzügigen Menschen für ihre Dienste nicht. Ein bisschen Unterhaltung war alles, was von mir verlangt wurde. Sogar das Rad Umdrehen wurde mir abgenommen und obendrein bekam ich noch Lob für den Zustand meiner Kette: viel, viel schlimmeres hätten sie heute schon gesehen und versorgt! Mit geschmeidiger Kette und sehr zufrieden radelte ich von dannen.

Leider kann niemand verlangen, dass diese großzügige Putzkolonne sich auch mal im Winter für das Wohl der Fahrradketten engagierte. Wir müssen es also selber machen, gerade jetzt. Denn Streusalz, Rollsplitt und Frost haben der Kette arg zugesetzt. Heute, am vorerst letzten milden Tag vor der nächsten Kältewelle, will ich es tun, ganz bestimmt!

Gefühlt und bei knirschigen Schaltvorgängen hörbar bewiesen, ist auch meine Kette leider viel zu oft und viel zu lange in einem kläglichen Zustand. Ich kenne fast keine, die hier nicht ähnlich schlampig wären. Und ich muss zugeben, dass ich vor der Recherche für diesen Blog keine Ahnung hatte, wie man es richtig macht. Im DIY Buch der Redaktion des Missy Magazines erfuhr ich, dass mindestens genauso wichtig wie das Ölen das Entfetten ist. Der unbedingte erste Arbeitsschritt: bevor neues Öl an die Kette kommt, muss sie vom Altölfilm und den schwarz-klebrigen Dreckbröseln befreit werden, die sich dort abgelagert haben. Ohne das verschlimmert sich die Sache eher.

Für dieses Putzen gibt es Entfetter, z.B. als Spray in bio-abbaubarer oder Umwelt unverträglicher Version. Genauso gut könnt ihr ein Mittel nehmen, das in einem kleinen Eimer mit Wasser verdünnt wird, hoch konzentriert, im Verhältnis 1:3. Wenn die Zeit für den Gang zum Fahrradladen nicht reicht, geht auch das (Bio)spülmittel aus der Küche. Außerdem braucht ihr einen bis zwei Lappen und natürlich Kettenöl – im Fläschchen oder als Spray. Und russelige Klamotten, denen unauswaschbare Flecken nichts ausmachen.

Jetzt das Fahrrad auf den Kopf stellen, Lappen gut in der Entfetter-Lauge tränken (oder Kette und Lappen einsprayen) und mit dem Lappen in der Hand die Kette säubern, während du sie im Rücktritt langsam durch den Lappen gleiten lässt. Je nach dem Zustand deiner Kette ist es gut, zwei oder drei Durchläufe zu machen: sie soll am Ende fast aussehen wie neu. Dann braucht sie noch einen bis zwei Durchläufe ohne Mittel, mit dem feuchten Lappen, damit keine Entfetterreste bleiben.

Erst jetzt kommt der Durchlauf mit dem Öl. Aber Vorsicht, denn zu viel Fett zieht sofort neuen Dreck an. Deshalb müsst ihr für das Finish noch einmal mit dem trockenen, sauberen Lappen an die Kette, um sie vom überschüssigen Öl zu befreien. Das war’s.

Es sei denn, ihr wollt auch dem Zahnkranz eine Reinigung gönnen. Auch hier helfen Entfetter, Lappen und z.B. eine alte Zahnbürste weiter. Gute Fahrt!

 

Teilen:


Über den Autor

Birgit Heidtke arbeitet als Autorin und Historikerin in Freiburg. Sie organisiert Veranstaltungen, produziert Texte, Stadtrundgänge und viele andere Sachen.



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Premium WordPress Themes