Dänen schlagen vor, unsere Schubladen im Kopf mal umzuräumen

Denken ist wie aufräumen. Was wir erleben, versuchen wir, im Kopf sortiert zu kriegen. Schuhe? Gehören an die Füße. Brötchen? Bekomme ich beim Becker. Pizza? Serviert mir der Italiener. Spätzle? Macht Mama die besten. Datteln? Riechen nach Heimat. Das hilft. Muss ja irgendwie klarkommen.

Und wenn was Neues kommt? Erst mal schauen, wo das hinpasst. Neuer Mitspieler? Steht immer richtig und haut die Dinger rein – Stürmer. Neuer Laden? Rotwein mag ich nicht. Neuer Präsident? War mal schwarz, ist jetzt orange.

Solche Sortiersachen machen wir dauernd. Meistens ohne groß nachzudenken. Ergibt sich irgendwie von selbst. Spätestens dann, wenn wir damit zu tun haben. Dieses Kästchendenken hat aber ein paar Fallstricke. Oft plumpst was eher zufällig irgendwo rein und bleibt dann da, obwohl es anderswo vielleicht genauso gut oder besser aufgehoben wäre.

Was würde eigentlich passieren, wenn wir alle Menschen, die wir in Schubladen einsortiert haben, mal umsortieren? Schauen, wer dann wo einsortiert ist. Das dänische Fernsehen hat dazu einen Spot gemacht. Da sehen wir die, denen wir vertrauen, und die, die wir meiden. Die, die schon immer hier waren, und die die neu gekommen sind. Die, die vom Land kommen, und die, die noch nie eine Kuh gesehen haben. Für den folgenden Clip haben die Dänen alle möglichen Menschen eingeladen und so sortiert, wie man es gewöhnlich macht. Aber wie sortiert man eigentlich? Schau selbst:


Wie man sieht, macht es Spaß, mit den Sortierkästchen mal zu spielen. Statt Anzugträger und Motorradgang zu sortieren, stellt man die Schachtel „Wer war Klassenclown?“ auf und schaut, wer da drin ist. Oder wer ist „Stiefkind“? Wer glaubt an ein Leben nach dem Tod? Wer hat UFOS gesehen? Wer tanzt gerne?

Was passiert, wenn man lauter solche Kästchen aufmacht? In wie vielen Kästchen stecke ich eigentlich? Und wer ist da in welchem mit drin bei mir? Wie wärs mit ner Kästchenwoche? Jeden Tag ein anderes: Wer ist tätowiert, wer wird gemobbt, wer ist total verknallt, wer ist einsam? Schauen, wer drin steckt, gucken, was passiert.

Was, wenn jemand sagt, so funktioniert internationale Politik? Spinner? Träumerin? Populist?

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Über den Autor

Jürgen Reuß ist freier Journalist, nicht nur von Berufs wegen neugierig und hat das Glück, dass ihm Recherchieren Spaß macht.



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