Computerspiele spielen – und sagen können, warum

 

Der Gamer-Treff in der Stadtteilbibliothek Haslach

Gamer – sind das nicht diese jungen Menschen zumeist männlichen Geschlechts, die stundenlang auf einen Bildschirm starren, einsam und isoliert?

Muss nicht sein. Sie können sich auch gegenseitig Spiele vorstellen und dabei erläutern, aus welchen Gründen genau sie das jeweilige Spiel gut finden.

So ist es beim Gamer-Treff in der Stadtteilbibliothek Haslach, der sich an alle 12- bis 16-Jährigen richtet, die sich für Computerspiele interessieren.

«Seit letztem Oktober gibt es den Treff», erzählt Thomas Belz. Der Mitarbeiter in der Bibliothek in Haslach betreut das Projekt – mit dem Ziel, die Medienkompetenz junger Leute zu steigern: «Hier soll nicht nur gespielt, sondern auch eine Art roter Faden gefunden werden, der einem beim Betrachten und Bewerten der Spiele hilft.»

Am Besten stellt man dazu ein paar Fragen: Wie ist die Optik des Spiels? Ist es eher karg ausgestaltet oder im Gegenteil geradezu überladen? Erzählt es eine Geschichte oder besteht es aus lediglich lose miteinander verknüpften Actionszenen?

Wichtig ist es dem Initiator des Treffs, dass es auf diese Fragen keine richtigen und falschen Antworten gibt. Man darf also gerne sagen, dass man das Spiel, das nur aus Actionszenen besteht, lieber mag. «Und es gibt auch keinen Leistungsdruck, keine Leistungsbewertung», fährt Belz fort, «wir sind ja nicht in der Schule.»

Generell fällt Belz auf, dass die jungen Menschen, die zu den Gamer Treffs kommen, audiovisuelle Ausdrucksformen souveräner beherrschen als das Medium Text. Sie machen lieber ein Video als eine Computerspiel-Kritik zu schreiben. Belz fällt da etwa ein 12-Jähriger ein, der ein «Let’s Play» drehte – eine Art Tutorial, bei der er sich selbst dabei filmt, wie er das Spiel spielt und währenddessen Erläuterungen und Bewertungen zum Spiel abgibt.

Zwei Lieblingsspiele haben sich seit Oktober herauskristallisiert. «Street Fighter 5» sowie «Lego Marvels Avengers». Egoshooter können nicht gespielt werden. «Wir merken schon, dass die Kids das sehr interessieren würde. Aber es geht aus rechtlichen Gründen nicht.», so Belz.

Der Treff belegt, dass Gamer durchaus gruppentauglich sind. «Manchmal veranstalten wir auch ganze Game-Tester-Tage in Kooperation mit dem Jugendtreff an der Staudinger Schule», erzählt Belz «Ich bin jedes Mal wieder beeindruckt, wie gut sich die Teilnehmer dabei auf die Spiele einigen, wie friedlich das klappt.»

Inzwischen hat sich eine Art Stammpublikum gebildet, vier Jungs im Alter von 13 und 14 Jahren, Mädchen interessieren sich bislang leider noch nicht. Belz freut sich über Jede und Jeden, der neu dazukommen oder auch einfach nur mal rein schnuppern möchte. Das Angebot ist kostenlos.

Der nächste Treff findet heute von 16 bis 18 Uhr in der Stadtteilbibliothek Haslach statt. Weitere Termine finden sich im Veranstaltungskalender der Stadtbibliothek.

 

 

 

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Über den Autor

Mathias Heybrock lebt als Journalist in Freiburg und arbeitet für Zeitungen und Magazin in Deutschland und der Schweiz.



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