Soweit ganz normal

Daniel Schumann beschäftigt sich gerne mit den wirklich wichtigen Dingen im Leben: dem Sterben, der Liebe und der Familie. Und da Schumann Fotograf ist, porträtiert er Menschen. „Meine Fotoprojekte sind eine Auseinandersetzung mit meinen Fragen an das Leben“, hat er einmal in einem Interview gesagt. Vielleicht hat alles ja damit angefangen, dass der 1981 geborene Düsseldorfer seinen Zivildienst in einem Hospiz gemacht hat. Seitdem hat er Foto-Bücher veröffentlicht, die sterbenskranke Menschen zeigen und Familien mit lebensbedrohlich erkrankten Kindern. Daniel Schumann zeigt, dass ein Ausnahmezustand etwas Normales ist. Zum Fürchten sind seine Aufnahmen nicht.

© Daniel Schumann

 

Sein letztes Buch heißt „International Orange“ und ist während eines einjährigen Aufenthalts in Los Angeles entstanden. Der Titel bezieht sich auf das Wahrzeichen von Los Angeles, der Golden Gate Bridge, die je nach Licht orange aussehen kann. Und tatsächlich wirken seine Farbaufnahmen, die ab Mittwoch im Carl-Schurz-Haus zu sehen sind, auch besonders licht. Möglicherweise weil sie so optimistisch sind. Daniel Schumann hat homosexuelle Paare und gleichgeschlechtliche Eltern mit ihren Kindern aufgesucht und sie fotografiert. Ein Paar kommentiert sein Porträt so: „Wir leben in Los Angeles, wo es entspannt ist, schwul zu sein. Tatsächlich vergesse ich oft, dass wir anders als die heterosexuellen Paare sind, mit denen wir uns treffen und mit denen wir herumhängen“. Daniel Schumann, der über Aushänge und die Vermittlung von Freunden und Bekannten zu den Menschen gelangte, die er fotografierte, nahm sie in ihren Häusern auf oder an Orten, die ihnen wichtig sind. Auch er hatte den Eindruck, dass San Francisco Menschen leben lässt, wie sie sind. Seit 1989 ist die Stadt eine der sanctuary cities der USA.

© Daniel Schumann

 

Es sind also sehr persönliche Fotos geworden. Man sieht auf ihnen Paare, bei denen der eine Mann die Schulter des anderen berührt, davor ein Kind und ein Hund. Zwei Frauen umarmen sich und schließen dabei ihr Kind mit ein, das auf der Hüfte der einen Mutter sitzt. Und dann ist da noch das ältere männliche Paar auf dem Sofa, das miteinander alt werden will. Oder die vierköpfige Familie: Bruder, Schwester und zwei Frauen, die fröhlich auf einer Picknickbank sitzen. Der Hund, der gerade von niemandem beachtet wird, wendet der Familie den Rücken zu. Alltag eben, vielleicht etwas vielfältiger, aber soweit ganz normal.

Wie würdet ihr eure Familie fotografieren?

Daniel Schumann, International Orange

Carl-Schurz-Haus, Eisenbahnstr. 62. Eröffnung: 1. Februar, 19 Uhr. Montag bis Freitag 9 bis 18 Uhr, Samstag 11 bis 15 Uhr. Bis 31. März.

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Über den Autor

Anette Hoffmann ist Journalistin und unterstützt den Jugenblog seit Anfang an.



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