Lobby yourself Teil 2: die Erfolgreichen

Es ist Halbzeit im Freiburger Beteiligungshaushalt. Rund 200 Vorschläge sind schon gemacht. Im Ranking vorne ist das schon so lange gewünschte Freibad am Seepark und auch der Weiterbau des Skateparks im Dietenbach gehört zu den Favoriten: mit 121 Stimmen und 24 Kommentaren stand er gestern auf Platz 3. Und durch die Seitentür kam gestern noch die Idee eines Pumptracks (ein hügeliger Roll-Parcours für Fahrzeuge aller Art) an der Wiwili-Brücke dazu, der bis zum Abend mit 113 Stimmen bereits auf Platz 5 kletterte.

Kein Wunder – und keine Kunst, könnten wir zu diesem Ergebnis sagen. Denn Sport und Spiel haben es immer leicht auf Beteiligungsforen. Aber es gibt auch weit abgeschlagene sportliche Wünsche, und andererseits finden sich im vorderen Viertel soziale und kulturelle Projekte wie die Anlaufstellen Wendepunkt und Wildwasser (gestern Platz 17 und 31), die neue Initiative für eine kommunale Filmförderung (gestern Platz 19). Der Wunsch einer finanziellen Förderung des Eine Welt Engagements steht mit 122 Stimmen sogar auf dem zweiten Platz. Was also haben die vorderen Plätze richtig gemacht? Welche Zutaten braucht es für den Erfolg?

Frühe Vögel! Fast alle der Bestplatzierten haben ihren Vorschlag in der ersten Woche hochgeladen. Das hat ihnen ein Vorsprung verschafft, weil sie mehr Zeit hatten, für Likes zu werben. So findet sich unter den Top 10 noch immer der Vorschlag, VIP-Karten für die Gemeinderätinnen* im Schwarzwaldstadion abzuschaffen – obwohl der Beitrag inhaltliche Fehler hat und schlecht vorgetragen ist. Der bloße Zeitfaktor wird in den nächsten zwei Wochen an Gewicht wohl verlieren, vor allem, wenn weitere Newcomer Stars wie der Pumptrack noch dazu kommen.

Sich ein Bild machen können! Das ist für die Abstimmenden im Forum wichtig. Fast alle gut Platzierten haben ihren Beitrag mit einem Foto illustriert. Und fast alle haben eine Adresse. Hinter dem Skatepark steht Skatement e.V, der Mountain Bike e.V. macht sich stark für die Pumpstrecke, Tritta e.V. wünscht sich die Förderung der Mädchenarbeit in der Jugendhilfe und auch hinter dem Vorschlag einer kommunalen Filmförderung steht eine Initiative mit eigener Webseite. So können Interessierte sich einen Eindruck verschaffen, wer hier vorschlägt. Natürlich hat eine Gruppe schon an und für sich Vorteile gegenüber Einzelpersonen, die es im Forum mit ihren Ideen deutlich schwerer haben. Eine Ausnahme sind Vorschläge, mit denen Einzelne sich für die Arbeit einer Gruppe einsetzen – diese Form der Empfehlung kann sogar eleganter rüberkommen, als wenn diese selbst den Aufschlag gemacht hätten.

Konkrete, nicht zu lange Texte, gute Titel! Das klingt selbstverständlich, ist aber eine Kunst, was ihr sofort merkt, wenn ihr auf der Plattform stöbert. Viele Texte sind zu lang und man merkt ihnen an, dass sie von Leuten geschrieben sind, die in ihrer Idee so sehr drinstecken, dass sie das Auge für wichtiges und langweiliges verloren haben. Deshalb ist es immer eine gute Idee, Außenstehende dabei zu haben. Die können kürzen und verbessern – in Glücksfällen sogar das Schreiben übernehmen.

Gute Kommentare! Die fallen mindestens so ins Gewicht wie die reine Stimmenzahl. Schon beim Ranking spielen sie eine Rolle. Vor allem aber machen sie deutlich, dass ein Vorschlag ernst genommen und aktiv unterstützt wird. Gute Kommentare können wie Empfehlungsschreiben sein, unterhaltsam oder herzergreifend sein, spontan oder seriös daher kommen. Sie machen einen Vorschlag vielstimmig – und Stadtverwaltung, Rat und alle Abstimmenden mögen das.

Es ist immer noch Zeit für eure Ideen: 12 Tage geht noch was!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Über den Autor

Birgit Heidtke arbeitet als Autorin und Historikerin in Freiburg. Sie organisiert Veranstaltungen, produziert Texte, Stadtrundgänge und viele andere Sachen.



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