Schöpferische Zerstörung

Der neue Präsident der USA hält seine Antrittsrede

Hass und Hohn hat Donald Trump schon genug provoziert, daher möchte ich es an dieser Stelle einmal mit etwas anderem versuchen. Mit einem Lob: Der Mann ist mutig!

Es ist mutig, eine Antrittsrede vor all den versammelten Größen der US-Politik beider Parteien zu halten und ihnen ins Gesicht sagen: «Eure Politik hat jahrzehntelang nur euch selbst genützt, aber nicht dem Volk. Ihr habt es vergessen – und das werde ich ändern!»

Es ist mutig – und vielleicht auch ein klein bisschen wahnsinnig. Doch Trump mag ja Wahnsinn. Zumindest eine Dosis davon gehört seiner Auffassung nach notwendig zu einem schöpferischen Geist.

Trump versteht sich als schöpferischen Geist. Seine Rede gehorchte dem Prinzip der «schöpferischen Zerstörung», das aus der Volkswirtschaftslehre kommt und grob gesagt auf folgendes hinausläuft: Erst einmal alles richtig aufmischen, dann kann Neues entstehen!

Dementsprechend war die Ansprache aggressivstes «Anti-Establishment», wie es die US-Rechte sich radikaler nicht hätte wünschen können. Traditionell findet diese Rechte ja, dass «Washington» die Bürger nur Geld kostet, dass die Politiker dort dauernd die Steuern erhöhen und sich in Sachen einmischen, die sie nichts angehen.

Doch auch linke Globalisierungs-Gegner müssten über Trump eigentlich jubeln. Er verspricht der USA neue Fabrikarbeiterjobs, die in den letzten Jahrzehnten in Billiglohnländer abgewandert waren. Er will zudem selbst Jobs schaffen. Durch Strassenbau, durch Infrastrukturmaßnahmen allgemein.

Wie das alles zusammen gehen soll? In Trumps großen Ansagen und Ankündigungen stecken jede Menge Ungereimtheiten und Widersprüche. Besonders süffisant hat sie ein lesenswerter Text des (rechten!) US-Magazin «The American Conservative» analysiert.

Aber hier wollen wir ja ohne Hohn auskommen – und Hass ist sowieso immer verkehrt. Angst braucht man auch keine zu haben, aus deutscher und europäischer Perspektive schon gleich gar nicht. Das grösste Risiko trägt Donald Trump selbst, weil er sich von der ganzen Welt an seinen Worten messen lassen muss.

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Über den Autor

Mathias Heybrock lebt als Journalist in Freiburg und arbeitet für Zeitungen und Magazin in Deutschland und der Schweiz.



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