Zuflucht Freiburg? Eine Idee für die Stadt und Europa

Heute Abend startet mit einer Veranstaltung im Audimax der Uni eine Kampagne, die Freiburg dafür begeistern will, sich mit anderen europäischen Städten als „Welcome City“ oder „Sanctuary City“ gegen den Strom der EU-Flüchtlingspolitik zu stellen. Zufluchtsstadt Freiburg – das würde gut dazu passen, was hier ohnehin schon läuft, meinen die Initiatorinnen* vom Freiburger Forum aktiv gegen Ausgrenzung.

Die Idee, als Stadt anders zu handeln als der Staat und nach eigenen Spielräumen zu suchen, um Geflüchtete zu schützen, ist nicht neu. Sie kommt aus den USA und hat dort eine Tradition, die zurück geht bis in den Bürgerkrieg, wo freikirchliche Gemeinschaften wie die Quäker ein Netz von Zufluchten aufbauten. Mit diesem underground railway wurden Sklaven* vom Süden in den freien Norden geschleust.

Das heutige Bündnis von rund 300 us-amerikanischen „Sanctuary Cities“ entstand in den 1980er Jahren, als fast eine Millionen Menschen aus den Kriegszonen Mittelamerikas in den Norden flohen und dort, unter Präsident Reagan, als Zivilisten* der feindlichen Seite kein Asyl fanden.

Am Anfang waren es Kirchengemeinden, die Flüchtlinge trotzdem beherbergten. Bald erklärten auch Städte, dass sie illegal Zugewanderte nicht verfolgen wollten. Sie öffneten für sie die Schulen und Krankenhäuser und hinderten sie nicht daran, in der Kommune eine Wohnung und Arbeit zu suchen. Heute, wo der zukünftige Präsident plant, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen zu lassen, ist das Netzwerk der Sanctuary Cities wieder ein wichtiges Gegengewicht in den USA. Auch Freiburgs Partnerstadt Madison gehört dazu.

Und Europa? Auch hier gibt es viele Gründe, lokal eigene Wege zu gehen. Während die meisten nationalen Regierungen die neu Angekommenen daran hindern wollen, sich auf Dauer zu integrieren, befinden sich viele Städte mitten in genau diesem Geschehen und suchen nach Lösungen. Das wird sich so schnell nicht ändern, denn fast alle Flüchtlinge wollen in der Stadt leben, wo sie für sich viel bessere Chancen sehen als auf dem Land. In den Städten gibt es Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten, bessere Unterstützung und außerdem Landsleute.

„Ob Integration gelingt, wird sich in den Städten entscheiden. Dort passiert die Zuwanderung, die Städte müssen neue Flüchtlinge schnell versorgen und gleichzeitig alles dafür tun, damit sie auf Dauer in die Kommune integriert werden können,“ sagt Eleanor Penn von der neuen Initiative Solidarity Cities. Athens Bürgermeisterin hatte die Idee; Barcelona, Leipzig, Breslau, Florenz gehören zu den Mitgründerinnen.

Diese Städte machen sich stark für konkrete Integration vor Ort und stellen sich gegen eine Politik, die neu Zugewanderte in die Illegalität drängt: „Wenn Flüchtlinge unversorgt und ohne Rechte bleiben, steigt das Risiko, dass sie Opfer von ausbeuterischen Arbeitgebern*, Vermieterinnen* und organisierter Kriminalität werden. Städte haben hier viel zu verlieren. Dagegen können wir nur etwas tun, wenn wir den Leuten die Chance geben, Teil unserer Gesellschaft zu werden.“ Die Solidarity Cities sind ein Anfang – ob Zufluchtsstädte daraus werden, kann jetzt noch niemand sagen.

Und Freiburg? Auf den ersten Blick würde es einer Stadt, die sich als offen und flüchtlingsfreundlich sieht, gut stehen, diese Idee mit zu verfolgen. Wie der Weg dahin aussehen kann, darüber reden heute abend zwei Professoren: Roland Roth aus Berlin und Albert Scherr aus Freiburg – und hoffentlich auch das Publikum!

18.1. 19 Uhr, Audimax (im Kollegiengebäude II der Uni, Bertholdstraße/Platz der alten Synagoge)

* = gemeint sind alle Geschlechter

 

 

 

 

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Über den Autor

Birgit Heidtke arbeitet als Autorin und Historikerin in Freiburg. Sie organisiert Veranstaltungen, produziert Texte, Stadtrundgänge und viele andere Sachen.



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