Wir sind die Neuen (Teil Drei)

Betsy DeVos, zukünftige Bildungsministerin

Vor Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump am 20. Januar stellen wir in einer kleinen Serie wichtige Mitglieder seiner zukünftigen Regierung vor. Heute: Betsy DeVos

So reich wie unter Trump war eine US-Regierung noch nie. Allein die künftigen Kabinettsmitglieder verfügen zusammen über mehr Geld als ein Drittel der US-Bevölkerung. Die reichste Frau im Kabinett ist die künftige Bildungsministerin Betsy DeVos. Ihr Vermögen beträgt 5,1 Milliarden Dollar. Den Grundstein legte der Vater, der als Zulieferer der Autoindustrie reich geworden ist. Ihr Mann ist Sohn des Gründers des großen Marketing-Unternehmens Amway. Ihr Bruder, Eric Prince, war Gründer des durch den Irakkrieg berüchtigte Söldnerunternehmens Blackwater. Zusammen mit ihrem Mann hat sie auch ein eigenes Unternehmen, das unter anderem in Windenergie investiert.

DeVos kämpft seit Jahren dafür, das Schulsystem der USA zu verändern. Sie möchte staatlich finanzierte öffentliche Schulen abschaffen und dafür lieber private Schulen, sogenannte Charter Schools fördern. Für private Schulen müssen Kinder Schulgeld zahlen. Damit auch Kinder aus einkommensschwachen Familien etwas lernen können, sollen sie Schulgutscheine bekommen.

Ob der Abbau öffentlicher Schulen zugunsten von Privatschulen sinnvoll ist, wird in den USA stark diskutiert. Soziale Einrichtungen vom Staat finanzieren zu lassen, wird in Amerika mit mehr Misstrauen betrachtet als in Europa. Man vertraut gern darauf, dass Wettbewerb und freier Markt Dinge besser regeln können, als staatliche Verordnungen.

Gerade bei der Bildung zeigt aber, dass diese Überzeugung auch kein Allheilmittel ist. Privatschulen bringen auch viele Probleme mit sich. Zum einen muss eine Privatschule sich rechnen. Zwar gibt es auf dem Papier ein Gesetz, dass Privatschulen keine Gewinne machen dürfen, aber es ist ein offenes Geheimnis, dass sie in der Praxis wie ein gewinnbringendes Unternehmen geführt werden. Die Größe der Klassen, die Anzahl von Lehrer*innen pro Schüler*innen, die Ausstattung mit Lehrmittel usw. schlagen sich in der Höhe des Schulgelds nieder.

Was passiert mit Kindern, die nicht viel Geld haben? Für sie soll es Schulgutscheine geben, die von Firmen gestiftet werden, die dafür Steuererleichterung bekommen. Steuererleichterung bedeutet aber, dass der Staat auf Geld verzichtet und den Firmen überlässt, wofür sie es ausgeben möchten. Welche Schulen wie gefördert werden entscheiden die Sponsoren. Betsy DeVos ist beispielsweise sehr religiös. Ihr sind evangelikale Schulen sehr sympathisch. Was bedeutet das beispielsweise für die Bildungschancen von Muslimen?

Kinder, die mit dem Lernen Schwierigkeiten haben, erfordern, dass Schulen sich mehr Mühe geben müssen: kleinere Klassen, mehr Personal oder ähnliches. Das kostet aber mehr Geld. Anders als öffentliche Schulen können sich Privatschulen aussuchen, wen sie aufnehmen. Eine Privatschule, die Gewinne machen möchte, wird also ein großes Interesse haben, möglichst nur pflegeleichte Kinder aufzunehmen, die wenig Kosten verursachen und deren Schulgeldzahlungen gesichert sind.

Den öffentlichen Schulen wird beim Ausbau der Privatschulen weniger Geld zur Verfügung stehen, da der Staat durch die Steuerbegünstigung für Spender von Schulgutscheinen weniger für Bildung einnimmt. Öffentliche Schulen werden also immer mieser, müssen sich unter Umständen aber gleichzeitig immer mehr um lernschwache Kinder aus armen Verhältnissen kümmern, weil sie einerseits von Privatschulen abgelehnt werden und andererseits die, die es sich leisten können, lieber auf die Privatschule gehen.

Privatschulen können übrigens auch pleite gehen. Das passiert gar nicht so selten. Mit dramatischen Folgen für die Schüler*innen. Wenn du gut Englisch verstehst, kannst du dir hier auf unterhaltsame Weise Pleiten, Pech und Pannen der Charter Schools erklären lassen:

 

Wenn du mehr über die Mitglieder der zukünftigen Regierung unter Donald Trump erfahren willst, geht es hier weiter zu Teil Eins und Zwei unserer Reihe.

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Über den Autor

Jürgen Reuß ist freier Journalist, nicht nur von Berufs wegen neugierig und hat das Glück, dass ihm Recherchieren Spaß macht.



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