Drei-D-Druck in der Stadtbibliothek

Dass Drei-D-Druck einmal ein ganz großes Ding wird, hat der US-Autor Neal Stephenson schon 1995 gewusst. Damals erschien sein sehr empfehlenswertes Buch «Diamond Age», das auch auf Deutsch so heißt.

In Stephensons Zukunftsvision gibt es Kästen, die sich «Materie-Compiler» nennen. Wer möchte, kann sich von ihnen Dinge des täglichen Lebens herstellen lassen: Kleidung, ein Sofa, sogar Nahrung. Alles, ohne etwas bezahlen zu müssen.

Davon sind wir im Moment noch ein bisschen entfernt, schon allein, weil Stephensons «Compiler» öffentlich zugänglich und so verbreitet wie Briefkästen sind. Bei uns ist der sogenannte Drei-D-Druck (noch) Privatsache und die Geräte extrem teuer.

Die Stadtbibliothek Freiburg jedoch hat vor etwa einem Jahr einen «Ultimaker 2» angeschafft, den man kostenfrei ausprobieren kann. Das Gerät, der gängigste Drucker im nicht-industriellen Bereich, steht in der Infothek im ersten Obergeschoss der Hauptgeschäftsstelle am Münsterplatz.

Es wird ziemlich gut angenommen, wie der Bibliothekar Markus Niemeier sagt, der zusammen mit seiner Kollegin Sandra Rosenstiel für den Betrieb verantwortlich ist. Zwar kommen «meistens ältere, technikbegeisterte Herren», so Niemeier. Aber auch Jugendliche. Zum Beispiel einer, der sich witziger Weise die Teile  für einen eigenen Drei-D-Drucker «ausdrucken» ließ. Selbstverständlich nur das Gehäuse.

Wer so konkrete eigene Pläne nicht hat: Die Stadtbibliothek verweist in ihren Informationen zum Drucker und wie man ihn benutzt auf zwei Seiten im Netz. Auf ihnen finden sich kostenfreie «Baupläne» von Gegenständen, die man «ausdrucken» kann.

Man entscheidet sich für ein Objekt, speichert die jeweiligen Daten auf eine SD-Karte – und vereinbart dann telefonisch einen Termin bei der Bibliothek.

«Wir schauen dann erst einmal, ob es auch wirklich klappt», erläutert Niemeier  Nicht jeder Plan funktioniert nämlich auf jedem Drucker. Teilweise ist aber schon bei den Plänen im Netz verzeichnet, für welches Gerät sie optimiert sind.

Anschließend kommt man auf eine Warteliste, denn das Drucken nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Aus Sicherheitsgründen darf zudem nur während der Öffnungs- und damit Aufsichtszeiten gedruckt werden; also nicht über Nacht.

Man selbst braucht aber nicht zu warten, sondern kommt wieder, wenn das gewünschte Objekt fertig ist. Und man kann natürlich auch ganz einfach so vorbeischauen und dem Drucker unverbindlich bei der Arbeit zuschauen.

Gelegentlich gibt es zudem öffentliche Vorführungen des Druckers – inklusive Einführung in die Technik, von der Niemeier überzeugt ist, dass sie «sehr prägend» sein wird. Nächster Termin: Am 28. Januar um zehn Uhr.

 

Teilen:


Über den Autor

Mathias Heybrock lebt als Journalist in Freiburg und arbeitet für Zeitungen und Magazin in Deutschland und der Schweiz.



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Premium WordPress Themes