Wir sind die Neuen (Teil Eins)

Rex Tillerson, zukünftiger US-Außenminister

Vor Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump am 20. Januar stellen wir in einer kleinen Serie wichtige Mitglieder seiner zukünftigen Regierung vor. Heute: Rex Tillerson.

Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e3/Rex_Tillerson_official_Transition_portrait.jpg

Wie US-Präsident Trump ist auch sein Außenminister Rex Tillerson ein absoluter Neuling in der Politik: Der 64-Jährige hat seine gesamte berufliche Laufbahn bei dem Öl- und Gas-Giganten Exxon verbracht. Die letzten zehn Jahre als dessen Geschäftsführer.

Doch ist Tillerson deswegen keineswegs unerfahren im Kontakt mit Staatsmännern, im Gegenteil. So hat er etwa sehr gute Beziehungen zum russischen Präsidenten Putin – der ihm 2013 sogar den russischen Freundschaftsorden verlieh. Das ist die höchste russische Auszeichnung, die einem Ausländer zuteil werden kann.

Mit Russland verhandelte der Exxon-Chef unter anderem über gemeinsame Bohrungen in der russischen Kara-See, Teil des arktischen Ozeans. Die Abmachung liegt freilich auf Eis, weil die USA 2014 Sanktionen gegen Russland aussprachen – als Reaktion auf die russische Annexion der Krim. Tillerson hat diese Politik damals scharf verurteilt.

Kritiker befürchten, die neue US-Regierung könnte die Sanktionen nun zurücknehmen – und Exxon den Deal mit Russland so doch ermöglichen. Organisationen wie Greenpeace warnen vor Bohrungen im arktischen Ozean: Die Folgen einer möglichen  Ölkatastrophe seien dort besonders gravierend.

Auch zur autonomen Republik Kurdistan im Norden Iraks werden Tillerson enge Verbindungen nachgesagt. Dort handelte er als Exxon-Chef ebenfalls einen Öl-Deal aus – obwohl die Region offiziell zum Irak gehört, der solche direkte Verhandlungen mit den Kurden ausdrücklich verbot.

Die linksliberale US-Journalistin Rachel Maddow sagte daher in einem kritischen Beitrag über Tillerson, die Macht seines Exxon-Konzerns würde in manchen Teilen der Welt selbst diejenige der USA übersteigen. Maddow ließ jedoch auch einen Kollegen vom konservativen Wall Street Journal zur Wort kommen, der das Verhandlungsgeschick des künftigen Außenministers lobte: Der Texaner sei kein grobschlächtiger Cowboy. Er nähme sein jeweiliges Gegenüber ernst – und auf kulturelle Unterschiede Rücksicht.

Viele Beobachter sehen in der Wahl des Putin-Freunds Tillerson als Außenminister ein sicheres Indiz, dass die künftige US-Regierung Russland eher als Partner denn als Kontrahent ansehen wird, wie es Obama tat.

Kommt es so, muss es nicht automatisch schlecht sein. In den Bürgerkriegsregionen Irak und Syrien etwa wäre ein einvernehmliches und umsichtiges Handeln von USA und Russland dringend notwendig. Wenn eine solche Koalition dann sogar noch den Interessenausgleich zwischen Türken (die Putins Nähe suchen) und Kurden (die sich sicherlich von Tillerson einiges versprechen) hinbekäme – umso besser!

Wie alle neuen Kabinettsmitglieder der USA braucht auch Tillerson eine Art Erlaubnis des Senats, ehe er sein Amt antreten kann. Seine Kritiker hoffen, der Senat werde sich sperren. Tatsächlich kommt das gelegentlich vor – in der gesamten Geschichte der USA bislang allerdings erst neun Mal.

Teilen:


Über den Autor

Mathias Heybrock lebt als Journalist in Freiburg und arbeitet für Zeitungen und Magazin in Deutschland und der Schweiz.



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Premium WordPress Themes