Null, eins, zwei, drei: Guten Morgen, 2017!

Statistisch gesehen dürften die meisten von Euch gut und unversehrt ins Neue Jahr gekommen sein. Das zumindest legt der Polizeibericht nahe, der für die Silvesternacht gerade mal zehn unschöne Übergriffe im Innenstadtbereich listet – nicht mehr als in einer durchschnittlichen Samstagnacht.

Nicht überstanden hat den Jahrswechsel – wie seit Mitte November sicher – die Kulturkneipe Schmitz Katze in der Haslacher Straße 43. Der beliebte Club, der im Juli Insolvenz angemeldet hatte, kurz darauf noch einmal Hoffnung schöpfte wegen der vagen Aussicht auf einen Betreiberwechsel, schloss mit dem gestrigen Neujahrsmorgen nach viereinhalb Jahren seine Pforten für immer. Nach dem QU-Club am Fahnenbergplatz, dem Ruefetto an der Kartäuserstraße und dem Balz Bambii im Bermuda-Dreieck ist es der vierte Club, der das Jahr 2016 nicht überlebt hat. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Sie reichen von der fehlenden Nutzungserlaubnis für Partyveranstaltungen und nicht verlängerten Pachtverträgen bis hin zu komplizierten kulturpolitischen Interessensgeflechten und -konflikten wie im Fall von Schmitz Katze. Tatsächlich eröffnet das Ende des ambitionierten Clubs einem anderen, kaum weniger ambitionierten Projekt in einem sehr ähnlichen soziokulturellen Umfeld völlig neue Perspektiven: Das Jugendkulturzentrum ArTik, das im April 2016 aus seinen Räumen in der Unterführung am Siegesdenkmal raus musste und seither auf der Suche nach einem neuen Standort ist, wird demnächst in die ehemaligen Räumlichkeiten von Schmitz Katze einziehen. Was von Jugendbürgermeisterin Gerda Stuchlik als gute Lösung gelobt wird, stößt allerdings nicht überall auf Zustimmung – auch weil das von der Stadt unterstützte ArTik so gegenüber Schmitz Katze plötzlich zum Konkurrenten wider Willen wurde. „Die Stadt lässt dem ArTik keine Wahl”, heißt es in einem Eintrag auf der Facebook-Seite von Schmitz Katze. „Vielmehr setzt sie dem ArTik die Pistole auf die Brust: Entweder ihr nehmt der Katze ihren Lebensraum oder ihr seid selber nicht mehr lebensfähig!”

Unabhängig davon aber beförderte das Ende von Schmitz Katze auch etwas Gutes in Freiburg. So begünstigte die Diskussion um den Club die Gründung einer gut gelaunten und bestens vernetzten Party-Politik-Bewegung, die mit ungewöhnlichen Aktionen wie spätnächtlichen Dance-Demos in der Innenstadt auf das Problem der zunehmenden Beschränkung des öffentlichen Raumes zum Feiern aufmerksam macht, das Clubsterben anprangert und mehr Toleranz für lautstarke, nicht-kommerzielle Musik-Events fordert. „Raubt ihr uns die Träume, rauben wir euch den Schlaf!”, lautete nicht zufällig das Motto ihrer ersten Demo Anfang Dezember. Wir warten gespannt auf die nächste Aktion.

Übrigens: Wenn auch ihr euch im kommenden Jahr dafür einsetzen wollt, die Vielfalt der Kreativ- und Partyräume in Freiburg zu erhalten und auszubauen, könnt Ihr euch hier informieren:

http://schabernack.blogsport.eu/

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https://www.facebook.com/freiburgerclubsterben/

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Über den Autor

Dietrich Roeschmann ist Journalist und unterstützt den Jugenblog seit Anfang an.



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