Können Apps helfen, abends sicher nach Hause zu kommen?

Eine einsame Haltestelle, eine Unterführung, eine schlecht oder gar nicht ausgeleuchtete Straße: Auf dem Heimweg kann einem schon einmal etwas mulmig werden, und das nicht erst seit der Vergewaltigung und Ermordung zweier junger Frauen in Freiburg und Endingen.

Seit einiger Zeit gibt es Apps, die versprechen, den Weg sicherer zu machen – durch virtuelle Begleitung.

Die bekannteste dieser Apps ist Wayguard, die von dem Versicherungskonzern Axa entwickelt und zunächst in Köln getestet wurde, ehe sie bundesweit auf den Markt kam. Die Polizei NRW ist Kooperationspartner – und gibt auf der App zunächst einmal den Tipp, sich für einen sicheren Heimweg nicht allein auf eine App zu verlassen.

Stattdessen soll man auch folgende Ratschläge beherzigen: Nicht allein, sondern mit Freunden gehen. Wenn möglich, dunkle, einsame Ecken meiden, selbst, wenn man so einen Umweg geht. Keine Musik, kein Kopfhörer – denn dann bekommt man nicht mit, was um einen herum geschieht.

Wer dennoch allein geht oder gehen muss und die App aktiviert, wird auf dem Nachhauseweg von dem Team einer Leitstelle begleitet. Es ist rund um die Uhr im Einsatz und wird per GPS über den jeweiligen Standort des App-Nutzers informiert – kann also den Weg verfolgen und im Ernstfall für Hilfe sorgen. Drückt man selbst den Notfall-Knopf der App, hat man die Polizei am Apparat.

Zusätzlich kann man sich über die App auch von Freunden oder den Eltern virtuell begleiten lassen oder mit ihnen telefonieren oder chatten – dazu müssen sie natürlich ebenfalls die App herunterladen.

Datensicherheit? Der Konzern verspricht, keine Bewegungsprofile zu erstellen und alle Daten sofort zu löschen, sobald die Nutzerin oder der Nutzer zu Hause angekommen und die Anwendung schließt.

Die App ist kostenlos, aber für die Nutzung der Telefonfunktion sowie die Übermittlung der GPS-Daten können Kosten entstehen – je nach Vertrag, den man mit einem Mobilfunkanbieter hat.

Guter Empfang und Internet-Anbindung ist ohnehin die Grundvoraussetzung für die App. Wo das nicht gewährleistet ist (Parkhaus, U-Bahn, auf dem Land), stösst sie an ihre Grenzen.

Diese Lücke möchte die ebenfalls kostenlose, ähnlich aufgebaute App Soft Angel schließen, eine Karlsruher Entwicklung. Sie verwendet nämlich zusätzlich Bluetooth und soll so auch dann gut funktionieren, wenn Telefon und Internet es nicht tun.

Anders als bei Wayguard wird man bei dieser App allerdings ausschließlich von den eigenen Freunden begleitet – die man vorher auswählt und die die App natürlich ebenfalls laden müssen.

Eine Reichweite von 5000 Quadratmetern sei mittels Bluetooth gegeben, verspricht die Homepage von Soft Angel. Das heisst freilich auch: Keiner der Freunde, die die Heimweg verfolgen und sicher machen sollen, darf weiter als fünf Kilometer von dem Nutzer oder der Nutzerin entfernt sein.

Habt ihr selbst schon Erfahrungen mit diesen oder ähnlichen Apps gemacht? Sind sie hilfreich, machen sie den Heimweg wirklich sicherer?

 

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Über den Autor

Mathias Heybrock lebt als Journalist in Freiburg und arbeitet für Zeitungen und Magazin in Deutschland und der Schweiz.



  • Jugendblog sagt:

    Eine Einschätzung der Sicherheits-Apps durch Poliizeihauptkommisar Frank Stratz, Polizeipräsidium Freiburg:

    Sehr geehrter Herr Heybrock,

    die so genannten „Heimweg-Apps“ bieten den Vorteil, dass der Aufenthaltsort des Nutzers (bzw. des Handys …) metergenau über GPS festgestellt werden kann. Diese Möglichkeit besitzt die Polizei auch im Falle eines Notrufs über 110 nicht. Die rechtlichen Voraussetzungen lassen die genaue Ortung des Anrufers nicht zu. Hinzu kommt, dass Menschen in Stress-Situationen ihre Position häufig nur sehr schwer (oder auch gar nicht) mitteilen können. Daneben kann ein geführtes Telefongespräch in Bedrohungssituationen abschreckend auf den Täter wirken (s. u.).

    Allerdings entbindet die Nutzung solcher Apps nicht von der eigenen Verantwortung, den Heimweg (o. ä.) sorgfältig nach Sicherheitskriterien zu planen, um Angsträume zu umgehen/zu meiden. Das bedeutet auch, Umwege in Kauf zu nehmen, in Gruppen nach Hause zu gehen, den ÖPNV zu nutzen usw. Wie auch bei den Schutzwaffen (Pfefferspray etc.) besteht die Gefahr, sich zu sehr auf dieses Hilfsmittel zu verlassen und jedwede Sorgfalt außer Acht zu lassen. Grundsätzlich empfehlen wir auch, auf dem Heimweg zunächst nicht zu telefonieren, Musik zu hören oder Nachrichten zu schreiben. Hierdurch wird die eigene Wahrnehmung zu sehr eingeschränkt, mögliche Bedrohungen zu spät erkannt. Im Falle einer erkannten Bedrohung kann ein reales (nicht zum Schein geführtes) Gespräch abschreckend wirken.

    Eine Heimweg-App kann demnach eine sinnvolle Ergänzung des eigenen „Sicherheits-Portfolios“ sein, aber niemals für sich alleine stehen.

    Was mir persönlich an der App WayGuard gefällt, ist die Zusammenarbeit des Anbieters mit der Polizei NRW und dem zusätzlichen Angebot an Verhaltenstipps.

    Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Frank Stratz
    Polizeihauptkommissar

  • Guter und hilfreicher Beitrag zum Thema Sicherheit!
    LG

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