Essen was andere wegwerfen? Na klar! 

„Bänderer“ aus Freiburg machen Resteessen zum bundesweiten Diskussionsstoff

Würdest du essen, was andere wegwerfen? Nur wenn du Hunger hast und keine Geld? Oder auch weil du blöd findest, dass jährlich rund ein Drittel aller Nahrungsmittel im Müll landen? Das sind Fragen, die Freiburg gerade viel diskutiert werden und zwar am Beispiel der Freiburger Uni-Mensa.

Vor 20, 30 Jahren standen zwei, drei ältere Wohnungslose am Rückgabeband für die Essenstabletts in der Mensa, schnappten sich mit der Hand Reste, die ihnen essbar erschienen, und ließen sie verschämt in einer mitgebrachten Plastiktüte verschwinden. Sie machten das aus Not, weil sie Hunger hatten und kein Geld. In die Medien sind sie nicht gekommen.

Heute stehen an der Tablettrückgabe vor allem Studierende, um sich an den Resten ihrer KommilitonInnen zu bedienen. Sie machen das nicht unbedingt, weil sie sich das Mensaessen nicht leisten können. Sie machen es, weil die Essensreste sonst im Müll landen. Die Essenssammler nennen sich „Bänderer“ und haben eine eigene Facebookseite, auf der du dich über sie informieren kannst. Verschämte Plastiktüten sind bei den Bänderern passé. Zum Essen setzten sie sich ganz normal mit Tellern und Besteck an die Mensatische.

Inzwischen gibt über 40 Bänderer, und der Uni scheint das zu viel geworden zu sein. Die Mensaverwaltung möchte eine Abdeckung über das Rückgabeband setzen, um das Bändern zu verhindern. Die Badische Zeitung hat hier und hier ausführlich darüber berichtet. Sogar das ZDF und der Deutschlandfunk waren in Freiburg.

Was meinst du? Sollte die Möglichkeit, sich ohne Geld von den Resten anderer zu ernähren, bestehen bleiben? Was findest du wichtiger: Dass Leute ohne Geld was Ordentliches zum Essen finden? Oder dass Lebensmittel nicht einfach in der Mülltonne landen?

Wenn du dich genauer informieren willst, findest du hier noch ein paar Fakten:

Es landet tatsächlich viel Essen im Müll. Die beste Zahl darüber, welchen Anteil deutsche Mensen daran haben, stammt aus der Hochrechnung einer Studie der Uni Stuttgart (Kapitel 3.3.7.3, S. 66), die von rund 41.000 Tonnen Lebensmittel im Jahr ausgeht. In Kapitel 7.4.1 werden dort außerdem ganz viele Projekte vorgestellt, die versuchen, Lebensmittelabfälle zu vermeiden.

 

Teilen:


Über den Autor

Jürgen Reuß ist freier Journalist, nicht nur von Berufs wegen neugierig und hat das Glück, dass ihm Recherchieren Spaß macht.



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Premium WordPress Themes