Flurstück 227 – Das Crash-Areal von morgen

Du hast bei dir im Kiez sicher auch schon mal gedacht: Mensch, wieso haben die denn jetzt ausgerechnet so ein Ding dahin gebaut? Hätten die mich gefragt, stände da was ganz anderes. Du ärgerst dich kurz – oder auch lang, wenn das neue Ding wirklich scheußlich ist, oder wieder mal alles ignoriert, was jungen Menschen wichtig ist. Aber irgendwie hast du auch das Gefühl: Läuft doch immer so, mich fragt eh keiner, und machen kannst du sowieso nix.

Und wenn du was versuchst, läuft das wie bei „Per Anhalter durch die Galaxis“ (die erste Viertelstunde), als die Vogonen darauf hinweisen, dass es keinen Grund gäbe, sich über die Sprengung der Erde aufzuregen, da die Pläne für die intergalaktische Umgehungsstraße doch 50 Jahre lang im Sonnensystem Alpha Centauri, lächerliche 4 Lichtjahre entfernt, ausgelegen hätten.

Es geht aber auch anders. Das kannst du beim Crash-Gelände sehen. Eigentlich war bereits alles geplant: Die IHK, der bereits der Büroklotz neben dem Crash gehört, kauft das Gelände und baut noch mehr Büros. Den Leuten aus dem Quartier gefiel das nicht. Statt nachher zu jammern, gründeten sie vorher eine Bürgerinitiative, die sie nach der offiziellen Bezeichnung des Geländes Initiative Flurstück 277 nannten. Was sie selbst gerne wollten, wussten sie noch nicht genau. Aber sie hatten die starke Vermutung, dass noch mehr Menschen aus der Nachbarschaft eins nicht wollten: Noch ein Bürohochhaus.

Also luden sie im Januar alle Anwohner und Interessierten zu einer Zukunftswerkstatt ein, um herauszufinden, was sie besser machen konnten, ließen sich im Februar von einem Planungsbüro beraten, das in Hamburg in einer ähnlichen Situation was Gutes hinbekommen will, sammelten ganz viele Ideen von den Anwohnern im Grün und zogen dann Freiburger Architekten hinzu.

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Vorigen Samstag war die Initiative soweit, ein eigenes mögliches Bebauungsmodell vorzustellen. Hier findest du ein paar schöne Bilder dazu  Da sieht man auch sehr schön, wie weit man mit Styropor und Bauklötzen eigene Träume sichtbar machen kann.

Bleibt die entscheidende Frage: Sind all diese schönen Pläne reines Wunschdenken? Oder wird da tatsächlich mal etwas stehen, das die Anwohner selbst mitgeplant haben? Das fragte am Samstag auch einer der Gäste bei der Vorstellung der Pläne. Versprechen, dass nicht doch ein Bürohaus gebaut wird, mochte es keineR der vier anwesenden GemeinderätInnen. Aber immerhin hat der Gemeinderat den Verkauf des Grundstücks an die IHK einstweilen gestoppt und weitere Entscheidungen so weit aufgeschoben, dass die Initiative ihre Vorschläge unterbreiten kann.

Die Initiative ist gut aufgestellt, hat Profis wie die Architekten und Experten für selbstorganisiertes Bauen vom Mietshäuser Syndikat an ihrer Seite. Aber entscheidend ist, dass Viele engagiert mitmachen. Beim Treffen am Samstag waren Menschen unter 40 kaum zu sehen. Bei den ganz Jungen hat die Initiative im Kindergarten nach Wünschen gefragt. Zeit, dass die dazwischen dazustoßen. Vielleicht hast du ja auch Wünsche, was auf dem Crash-Gelände mal passieren soll? Bei der Initiative mitzumachen, ist eine gute Gelegenheit, richtig auszuprobieren, was du selbst zusammen mit anderen schaffen kannst. Wird spannend, ob es am Ende Grund zum Jammern oder zum Feiern gibt.

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Über den Autor

Jürgen Reuß ist freier Journalist, nicht nur von Berufs wegen neugierig und hat das Glück, dass ihm Recherchieren Spaß macht.



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