moscheebadisch

Islam uf badisch

Wer im Atlantik mit seinen Freunden ein Bier trinken geht und dabei irgendwann gedankenverloren auf den Bierdeckel starrt, liest dort vielleicht: «Warum trinke Muslime kei Alkohol?»

Oder: «Was spielt sich in ere Moschee ab?»

Solche Fragen stellt der Freiburger Verein Orient Netzwerk Biertrinkenden – die sich aber natürlich auch ein Apfelschorle auf den Deckel stellen können. Der Verein arbeitet ehrenamtlich und kümmert sich um den Austausch zwischen den Religionen, insbesondere dem Christen- und Judentum sowie dem Islam.

Die Idee des Projektes, so wie ich sie verstehe: Fakten, Informationen, Sachverhalte über die bei uns lebenden Muslime mitzuteilen – und damit vielleicht auch ein paar der der Ängste abzubauen, die das Thema Islam für viele mit sich bringt.

Und warum auf Badisch? «Wir im Verein sind alle Akademiker», sagt Raban Kluger am Telefon, einer der beiden Vorsitzenden des Vereins.

«Aber wir wissen natürlich auch, dass Akademiker zuweilen eine Sprache sprechen, die nur Eingeweihte verstehen», fährt er fort: «Wir wollen aber alle erreichen – und das nicht nur in Freiburg, sondern im ganzen Umland.»

Deswegen sind die Erklärungen in Mundart; alltagsnah, lehrreich und witzig. Dabei wurden die Texte zunächst von wissenschaftlichen Fachleuten in Schriftdeutsch verfasst – das dann der Mundart-Künstler Martin Schley übersetzte.

25 000 Bierdeckel ließ der Verein drucken, finanziert durch die Bundesstiftung «Demokratie leben». Sie können kostenlos bezogen werden (10 000 sind schon weg): Von Gaststätten und Cafés, in Freiburg machen außer dem Atlantik etwa noch das Jos Fritz und das Capri mit. Aber auch von Bildungseinrichtungen und Vereinen. «Man kann auch selbst eine neue Frage stellen, wenn man eine hat», lädt Raban Kluger ein. Bislang stehen 10 auf den Deckeln.

Die Antworten findet man nicht dort, dafür wäre kein Platz. Sie stehen im Internet, auf der Homepage des Vereins. Wen also eine der Fragen neugierig gemacht hat, kann sich sein Smartphone schnappen, die Antwort lesen – und hat garantiert ein paar neue Erkenntnisse. Und vielleicht auch ein neues Gesprächsthema mit seinen Freunden.

 

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Über den Autor

Mathias Heybrock lebt als Journalist in Freiburg und arbeitet für Zeitungen und Magazin in Deutschland und der Schweiz.



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