Von elektronischen und anderen Geistern besessene Autos

So einen Täter wie am Sonntag hatte der Tatort noch nie. Als Vanessa Arnold, die Mitgründerin eines Bremer Start-ups www.goldenbird.ai, das eine digitale Assistentin entwickelt, bei einem Autounfall stirbt, haben die Bremer Kommissare zunächst die üblichen Verdächtigen im Visier: Firmenpartner, Lebensgefährte, Konkurrenten. Doch am Ende ist es das Auto selbst, das Vanessa umgebracht hat. Der Wagen war nämlich mit einer Elektronik ausgestattet, die der Fahrerin die Kontrolle über den Wagen entziehen und selbst den Kurs bestimmen konnte.

Solche autonom fahrende Autos sind keine Zukunftsmusik. Gerade erst hat Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann 2,5 Millionen Euro für ein Testfeld in Karlsruhe und Umgebung locker gemacht, auf dem selbstfahrende Autos erprobt werden sollen. Das Besondere an Karlsruhe ist, dass hier neben Autobahnen und Landstraßen auch der Stadtverkehr einbezogen wird. Eigentlich verspricht man sich von selbstfahrenden Fahrzeugen mehr Sicherheit, weil Elektronik schneller reagieren kann als der Mensch und sich auch bei entsprechender Programmierung besser an die Verkehrsregeln hält.

Auch der Wagen von Tatort-Opfer Vanessa wurde nur zum Besten der Menschheit programmiert. Der Haken war nur, dass die elektronische Assistentin, die das Start-up entwickelt hatte, genauso aussah wie Vanessa. Und als die echte Vanessa herausfand, dass ihre elektronische Doppelgängerin auch für 3-D-Pornosimulationen missbraucht wurde, wollte sie die Assistentin löschen. Nur war die elektronische Assistentin mit einem Selbstschutz programmiert…

Es ist nicht zu befürchten, dass mit den vom Land Baden-Württemberg geförderten Selbstfahrerautos nun eine Horde von Killerwagen herangezüchtet wird, aber das Risiko von Missbrauch durch Hacker oder einfach durch Pfusch bei der Programmierung gibt es. Natürlich werden Sicherheitsrisiken abgewogen, aber der Verkehrsminister macht auch klar, was der wichtigste Grund dafür ist, Selbstfahrer zu fördern: Baden-Württemberg soll als Mobilitätsland und Standort der Automobilindustrie gegen starke Konkurrenz an der Spitze gehalten werden. „Wenn wir diese Entwicklung verschlafen, haben wir die Zukunft verschlafen“, sagte Hermann.

Übrigens ist die Idee vom mörderischen Selbstfahrerauto gar nicht so neu. 1983 hat Horror-Autor Stephen King eine Roman über einen Mörderwagen namens „Christine“ geschrieben, der auch gleich verfilmt wurde. Da wird ein 1958er Plymouth Fury zur tödlichen Furie, nur dass dieser Wagen damals noch nicht von einer elektronischen Assistentin, sondern vom Geist eines verdammt unsympathischen US-Army-Veteranen besessen war.

Wie viele von Elektronik besessene Geräte hast du eigentlich zuhause?

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Über den Autor

Jürgen Reuß ist freier Journalist, nicht nur von Berufs wegen neugierig und hat das Glück, dass ihm Recherchieren Spaß macht.



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