Kiffen, gut und schön, aber was hängt eigentlich alles damit zusammen? Wir haben nachgefragt und eine kleine Serie dazu zusammengestellt. Den Anfang mach A., Schüler (15), der erzählt, wie das mit dem Kiffen bei ihm bisher so war:

Zum ersten Mal probiert habe ich es mit 13. Mit 14 habe ich anfangs nur gelegentlich gekifft, dann drei Mal die Woche. In den Sommerferien wurde mehrmals täglich daraus. Irgendwann war ich dauerbreit. Dann fing die 9. Klasse an, und ich merkte, dass einfach aufzuhören nicht mehr ging. Also habe ich auch während der Schulzeit weitergekifft, erste Pause, zweite Pause, Mittagspause, kurz nach Hause, dann gleich wieder raus, abends um neun nach Hause, obwohl ich um sieben hätte da sein müssen.

Anfangs hatte ich niemanden, da bin ich einfach so in die Welt rausgelaufen und habe rausgefunden, dass es diesen Eschholzpark gibt. Da gibt es nur scheiß Zeug, na ja, am Anfang macht man das halt. Wenn du dann immer an der Dreisam sitzt, immer rauchst, lernst du bald Leute kennen und irgendwann hast du 20 Nummern auf dem Handy von Leuten, die in 20 Minuten dastehen. Irgendwann konnte ich auch immer was vom besten Freund bekommen, für 5 Euro pro Gramm, was ein Witz ist, normal ist eher 8-9 Euro, Gras 10 Euro. Ich kam also immer leicht an Hasch dran und hab während der Schulzeit weitergeraucht.

Dann wollte eine Freundin es auch mal ausprobieren. „Kannst du mir was organisieren?“ „Ja, kann ich machen.“ Da mir dabei ein bisschen mulmig war, habe ich das Zeug nicht beim Dealer geholt, sondern 2 Gramm im Park, damit da keine Quelle da war. Das lief alles reibungslos. Aber die Eltern haben ihre Tasche durchsucht und das Zeug gefunden. Macht man eigentlich nicht bei einer 15-Jährigen, aber gut. Sie dann: „Das hat mir A. verkauft.“

Die Eltern haben nicht erst mal bei mir zuhause angerufen, um zu hören, was Sache ist, sondern gleich die Polizei und Anzeige erstattet. Irgendwann kam dann eine Vorladung bei uns an: „Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz“. Ich hatte gar keine Ahnung, worum es ging, denn die Freundin hatte mir nichts erzählt. Auf Nachfrage bei der Polizei war in meinem Fall klar, wer Anzeige erstattet hatte. Meist werden Anzeigen aber anonym gestellt.

Als ich die Freundin in der Pause zur Rede stellte, ist sie zum Schulleiter und hat gesagt, dass ich sie mobbe. Darauf hin wurde in der Schule groß diskutiert: Drogen und Mobbing in der 9. Klasse. Meine Eltern dachten da noch, dass ich nur ab und zu mal kiffe. Damit hatte ich drei Baustellen: Gericht, Schule und Eltern. Immer musst du vorsichtig sein, was du sagst. Das macht dich fertig.

In der Schule bekam ich es mit Hilfe meiner Eltern irgendwie runtergekocht. Ich habs geschafft zehn Wochen lang nur am Wochenende zu kiffen. Aber da war noch die Anzeige. Das Problem war, dass ich Gras weitergegeben hatte, damit galt ich als Dealer. Ein halbes Jahr hat es gedauert, bis feststand, dass es eine Verhandlung geben würde…

Wie es mit A. weiterging liest du hier.

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Über den Autor

Jürgen Reuß ist freier Journalist, nicht nur von Berufs wegen neugierig und hat das Glück, dass ihm Recherchieren Spaß macht.



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