Ach Du großer Bot! Manipulieren Roboter unsere politische Meinung?

Der politische Wettstreit findet in Zeitungen statt, im Radio, im Fernsehen. Dort treffen unterschiedliche Meinungen aufeinander. Dort werden Argumente ausgetauscht – die Lesern, Zuhörern und Zuschauern dabei halfen, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Inzwischen spielen jedoch auch weitere Kommunikations-Kanäle eine wichtige Rolle bei der Meinungsbildung: Vergleichsweise neue Medien wie etwa Facebook, Instagram oder Twitter.

Das Interessante dabei: Man kann nicht unbedingt sicher sein, dass da ein Mensch aus Fleisch und Blut schreibt oder spricht. Es gibt auch sogenannte Social Bots – das sind kleine, kostengünstige Programme, die einem vorgaukeln, sie seien eine reale Person.

Diese Programme werden immer intelligenter, sie als Fake zu durchschauen immer schwieriger, schreibt der Münchner Politikwissenschaftler Simon Hegelich in einer sehr interessanten und unaufgeregten Analyse des Phänomens.

Solche Social Bots steuern unsere Meinung nicht direkt, sondern eher subtil. Ein Beispiel:

Stellen wir uns einen Politiker vor, der eine Unmenge von Anhängern bei Twitter hat. Er wirkt damit wie jemand, der gerade bei jungen Leuten gut ankommt, denn insbesondere die nutzen Twitter.

Allein die hohe Popularität des Politikers kann andere nun veranlassen, ihn ebenfalls gut zu finden und sich mit seinen Positionen auseinanderzusetzen – so wie man ja auch bei einem besonders populären Film denkt: Interessant, den will ich auch sehen!

Seine Popularität verhilft dem Politiker vielleicht sogar dazu, dass er mehr in den Nachrichten ist – und dort für sich werben kann.

Aber was, wenn es viele seiner Twitter-Anhänger gar nicht wirklich gibt?

In den USA nutzen sowohl Hillary Clinton als auch Donald Trump Social Bots im Wahlkampf – bei beiden wird geschätzt, das 40 Prozent ihrer jeweiligen Twitter-Anhänger bloß Fake sind.

In einem zweiten Schritt können Bots auch selbst Meinungen äußern anstatt einfach Anhänger zu sein. Das geschieht bereits, wenn auch eher platt und damit vergleichsweise einfach als Fake zu durchschauen.

Doch die Programme werden immer besser, sie argumentieren genauer, menschlicher, so Hegelich. Und auch in diesem Fall gilt dann wieder: He häufiger man eine Meinung liest, desto eher ist man geneigt zu sagen: Mm, vielleicht ist doch was dran, wenn so viele das sagen.

Hegelich ist sich sicher, dass auch bei uns zukünftig Social Bots im Wahlkampf zum Einsatz kommen. Er findet das gar nicht unbedingt schlimm. Der Politikwissenschaftler wirbt aber dafür, dass alle Parteien offen sagen sollen, ob sie die Bots einsetzen oder nicht. Und er ist überzeugt, dass man über diese Technologie verstärkt aufklären muss.

Habt ihr selber schon Erfahrungen mit Social Bots gemacht? Glaubt ihr, dass sie Einfluss auf eure Meinungen haben?

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Über den Autor

Mathias Heybrock lebt als Journalist in Freiburg und arbeitet für Zeitungen und Magazin in Deutschland und der Schweiz.



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