Upcycling gilt derzeit als Mega-Trend, als die rundum gute Zukunft des Konsums. Überraschend ist das kaum, denn nichts verkörpert so perfekt die Idee vom besseren, weil gerechteren, verantwortungsbewussten und Ressourcen schonenden Leben. Anders gesagt: Upcycling ist die Antwort auf wachsende Müllberge, auf an Plastikschrott erstickende Seevögel, die Endlichkeit fossiler Rohstoffe wie Öl oder Gas, aber auch auf den ästhetischen Einheitsbrei der industriellen Konsumgüterproduktion. Höchste Zeit also, dass sich die Idee des Auf- und Wieder-Verwertens gebrauchter Dinge jetzt endlich auch bei uns durchsetzt – erst recht, weil sie alles andere als neu ist.

Tatsächlich ist Upcycling fast so alt wie die Menschheit selbst. Das simpelste und ursprünglichste Projekt dieser Art dürfte die Verwendung von Tiermist als Düngemittel gewesen sein. Später dann – etwa im mittelalterlichen Rom – wurden die Trümmer antiker Tempel zu Wohnhäusern oder Kirchen verbaut, Soldaten im Ersten Weltkrieg schnitten leere Granatenhülsen zu Blumenvasen zurecht und in den frühen Fünfzigern druckten Modezeitschriften Schnittmuster für Kleider aus alten Gardinen.

Eine Bewegung wurde daraus jedoch erst zu Beginn der Neunziger Jahre. Zu den Pionieren gehörten damals die Brüder Markus und Daniel Freitag. Ihr ihrer WG in Zürich schneiderten die beiden Grafiker 1993 ihre erste Fahrradkuriertasche aus LKW-Plane. Die Kanten des Beutels verstärkten sie mit dem Gummi alter Fahrradschläuche, als Trageriemen verwendeten sie einen Autogurt vom Schrott. Fertig war die Tasche – und der Upcycling-Hype geboren. 40 Stück schneiderten die Freitags im ersten Jahr. Fünf Jahre später waren es bereits 6000. Zum Zehnjährigen des Kreativ-Start-Ups kaufte das New Yorker Museum of Modern Art eine Freitag-Tasche für seine Design Sammlung an. Heute arbeiten für das Zürcher Brüderpaar 160 Angestellte, die jährlich 440 Tonnen LKW-Plane zu rund 400 000 Taschen vernähen. Der Umsatz des Upcycling-Unternehmens liegt bei geschätzt 30 Millionen Euro.
In ärmeren Ländern gehört die Wiederverwertung von Abfallprodukten dagegen schon seit langem zum Alltag und trägt heute entscheidend zum kreativen und ökonomischen Erfolg der jungen Design-Szenen Afrikas und Asiens bei.

Aus Alt mach Neu? Das könnt Ihr natürlich auch selbst machen. Im Internet findet Ihr dazu zahlreiche Tutorials – etwa wie man aus einem alten T-Shirt eine Umhängetasche macht (Video), aus einem Marmeladenglas eine coole Lampe (Video) oder aus einem Tetrapak ein buntes Portemonnaie (Anleitung). Viel Spaß dabei!

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Über den Autor

Dietrich Roeschmann ist Journalist und unterstützt den Jugenblog seit Anfang an.



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