Knotiger Sauerklee“ steht in Handschrift auf einer der Holzboxen, auf weiteren Hochbeeten wächst Rote Beete und die letzten Ringelblumen des Jahres geizen nicht mit leuchtendem Gelborange. Sauerampfer, Minze, Möhren, Kartoffeln und Kohlrabi wird auf den Beeten angepflanzt. Was man damit alles kochen könnte! Gut 20 Familien beteiligen sich an dem Projekt „Essbares Rieselfeld“ hinter dem Kepler-Gymnasium. Wer gärtnert, darf ernten, lautet die einfache Grundregel.

Dass inmitten der Städte Obst und Gemüse angebaut wird, ist nichts Neues. Das gibt es seit dem Mittelalter. Anfang der 1970er Jahre beginnt in den USA das, was wir heute unter Urban Gardening verstehen. Weshalb auch alle von Urban Gardening und nicht etwa von städtischem oder urbanen Gärtnern sprechen. Die Idee war, nicht nur allen Zugang zu gesunden Lebensmitteln zu ermöglichen, sondern auch etwas fürs Klima zu tun. Urban Gardening heißt auch, dass alle an einem Strang ziehen. Weil Unkrautjäten dann mehr Spaß macht und man einfach mehr auf die Beine stellen kann.

Flächen wie die vom „Essbares Rieselfeld“ werden seit 2012 von der Stadt Freiburg zur Verfügung gestellt, dreizehn Gärten gibt es auf öffentlichem Gebiet. „In Freiburg gibt es eine große Nachfrage nach gemeinschaftlichem Gärtnern im öffentlichen Raum. Das Garten- und Tiefbauamt bietet an, dass sich Interessierte an es wenden, wenn Interesse an einer öffentlichen Anlage Fläche besteht. Das Garten- und Tiefbauamt prüft in Absprache mit der Gruppe, ob sie sich für ein solches Projekt eignet“, sagt Martina Schickle vom Presseamt der Stadt Freiburg.

Etwas anders ist der WandelGarten im Stadtteil Vauban organisiert. Die Fläche an der Wendeschleife in der Innsbrucker Straße wurde den Gärtnern vom Verein für autofreies Wohnen zur Verfügung gestellt. Auch hier fallen die Hochbeete auf, auf denen Artischockenstauden und noch ein paar Tomatenpflanzen stehen. Das ist kein Zufall. In Städten ist die Humusschicht oft zu gering, um etwas anbauen zu können. Viele Flächen sind zudem versiegelt, also betoniert oder zugepflastert. Hochbeete oder Pflanzsäcke funktionieren immer. Monica Lüers, die zusammen mit Hartmut Wagner Ansprechpartnerin für den WandelGarten ist, sagt über ihre Motivation: „Es ging mir um viel mehr als das Gärtnern. Es ging darum, im Stadtteil Vauban einen Ort der Begegnung, des miteinander Lernens (weit über das Gärtnern hinaus) und einen Freiraum zum Experimentieren zu gründen“. Wie sieht nun aber die Organisation konkret aus, wer entscheidet, was angebaut wird? Im Vauban wird auf den regelmäßigen Planungstreffen viel diskutiert bis alle überzeugt sind. Und am Saisonende wird unter den Gärtnern die Ernte geteilt. Und warum eigentlich kein Schrebergarten? „Weil Schrebergärten Zäune haben“, sagt Hartmut Wagner.

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Über den Autor

Anette Hoffmann ist Journalistin und unterstützt den Jugenblog seit Anfang an.



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