Alle paar Monate, wenn in der Freiburger Innenstadt wieder mal ein Bauzaun weggeräumt wird und dahinter ein nagelneuer Vierstöcker zum Vorschein kommt oder wenn Läden in prominenter Lage dicht machen und die Handwerker zum Komplettumbau anrücken, macht das Gerücht die Runde: ZARA kommt!

 

So geht das schon seit Jahren. Als der XXL-Laden im Predigertor auszog. Als die Sparkasse begann, auf ihrem Nachbargrundstück an der Kajo ein Geschäftshaus hochzuziehen. Als die Stadtredaktion der BZ aus dem ehemaligen Ruckmich-Haus auszog oder, wie zuletzt, mit dem Start der aufwändigen Renovierungsarbeiten, gleich nebenan im Stober-Haus.

 

Und? Bislang kam ZARA nicht – und daran dürfte sich in nächster Zeit auch wenig ändern. Man muss kein Fan der Modekette sein, um sich zu fragen: Woran liegt das? Ist Freiburg vielleicht zu klein für den Fashion-Riesen? Wohl kaum: Schließlich gibt es ZARA-Filialen auch in Regensburg, Ludwigsburg, Neu-Isenburg … Oder stimmt es, wie immer wieder gemunkelt wird, dass Freiburger Geschäftsleute erfolgreich bei der Stadt Einspruch erheben konnten, um eine Ansiedlung des potenziellen Konkurrenten ZARA zu verhindern?

 

Fragen wir doch Olaf Kather. Als Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Südbaden kennt der sich aus, wenn Händler prominente Ladenflächen in Freiburgs Innenstadt suchen. Redet die Stadt da tatsächlich mit? Kather dementiert. „Es gibt keine Beschränkungen seitens der Ämter.” Der Grund, dass es in Freiburg keine ZARA-Filiale gibt, liege ausschließlich in der Philosophie des Unternehmens. „ZARA siedelt sich nur in 1a-Lagen an”, sagt Kather, „und das bedeutet: 1000 bis 2000 Quadratmeter in der Innenstadt mit Haupteingang zur Kaiser-Joseph-Straße.” Indirekt bestätigte dies jüngst auch eine Unternehmenssprecherin im Branchenblatt „TextilWirtschaft”. „Zum Erfolgskonzept von ZARA zählt, konsequent dort zu sein, wo unsere Kunden uns erwarten und unser Verkaufsangebot annehmen“, zitierte das Magazin die Sprecherin. Auf Kompromisslösungen lässt sich das Unternehmen nicht ein. Noch 2013, sagt Kather, habe ZARA eine angebotene Immobilie abgeleht, die zwar abseits der Kajo, aber in direkter Nachbarschaft zum Münstermarkt lag.

 

Ganz oder gar nicht: Der Erfolg dieser strikten Standortpolitik lässt sich auch in Zahlen messen. Der erste ZARA-Laden in Deutschland wurde 1999 in Köln eröffnet. Heute betreibt der spanische Mutterkonzern Inditex, zu dem auch die Marken Pull & Bear, Bershka und Massimo Dutti gehören, deutschandweit 78 ZARA-Filialen. Das Unternehmen, das mit 6910 Läden in 88 Ländern präsent ist und 2015 einen Umsatz von knapp 21 Mrd. US-Dollar verbuchte, ist einer der größten Player der Modebranche überhaupt. ZARA-Gründer Amacio Ortega, 80, steht mit einem geschätzen Vermögen von 67 Mrd. US-Dollar derzeit auf Platz 2 der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt.

 

Die Redaktion fragt: Wie findet ihr das Vorgehen von ZARA? Findet ihr, dass die Stadt mehr tun müsste, um solche Ketten nach Freiburg zu holen? Oder gibt es vielleicht eine Kette, die es noch dringender in Freiburg geben sollte? Oder hat Freiburg sowieso schon genug Läden?

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Über den Autor

Dietrich Roeschmann ist Journalist und unterstützt den Jugenblog seit Anfang an.



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